Sonntag, 4. Mai 2014
Sonntag, 27. April 2014
Canale Richi - Gewalttour durch die Fletschhorn Ostwand
Donnerstags morgens entdecke ich den Eintrag von lorenzo auf gipfelbuch.ch - 800m Couloir durch die Fletschhorn Ostwand. Start in Simplon Dorf auf 1500 also eine ziemliche Gewalttour von 2400Hm, aber an einem Tag machbar. Die Prognose zeigt ein Schönwetterfenster für Samstag morgen... könnte gehen. Javi ist schnell für das Projekt gewonnen und wir treffen uns Freitag abend in Visp. Um 10.30 sind wir in Simplon Dorf, und schlafen die verbleibenden 3h ziemlich gediegen im neuen VW California.
2.45 gehts los. Der Schnee fängt direkt am Auto an, und es geht im Stockdunkeln nach oben Richtung Bodmergletscher. Ab und zu ist eine alte Spur zu erkennen, trotzdem verpassen wir auf ca 2000 die Traverse und queren ohne Harscheisen etwas heikel die steilen Hänge wieder nach unten. Einmal im Richtigen Bachtal angekommen, gehts dann aber zügig weitere 1000Hm bis zum Anfang der Wand. Mitterweile ist es hell und die Wand sieht eindrucksvoll aus, wobei das Couloir recht straight-forward aussieht.
Die ersten 100Hm des Couloirs gehen wir noch mit Ski bis kurz über den Bergschrund. Schon jetzt knallt die Sonne voll auf die Wand. Essen, trinken, Ski aufbinden, und um Punkt 7 fange ich mit dem Spuren an. 800Hm to go.
Die Abfahrtsspuren von Lorenzo ist zu sehen, nicht aber die erhoffte Aufstiegsspur. Wahrschienlich zu viel Sluff drüber. Selber spuren ist also angesagt. Anfangs trägt der Schnee ganz gut und wir kommen immerhin mit 300Hm pro Stunde voran. Der Schnee wird immer pulvriger. Bi szu 40cm sinken wir ein. Was zwar richitg Abfahrtsspass verspricht, heisst für den Aufstieg aber richtige Mühe. Und das mit 2000Hm in den Beinen. Drei kurze, leicht vereiste Steilstufen stellen sich in den Weg. Im Aufstieg OK, in der Abfahrt aber sicherlich spannend. Auf 3550 queren wir vom rechten Couloir in die Wandmitte. Mittlerweile hat mich Javi eingeholt wir spuren die letzten 200Hm unglaublich mühsam bis zum Breitloibgrat.
Noch bleiben 150Hm mit Ski auf dem breiten Rücken bis zum Ostgipfel. Was wie 20min aussieht, sind für uns in unserem Zustand über eine Stunde. Nach genau 9h sind wir oben. Den Hauptgipfel schenken wir uns rasten auf 3927 im T-shirt. Leider nimmt die Quellbewölkung von Süden immer mehr zu und wir machen uns abfahrtsbereit.
Um 12.10 gehts los. Big Turns im lockeren Powder über den Gipfelhang hoch über der Nordwand. Dann die Einfahrt ins Couloir. Kurz >50° dann aber in schwerem Pulver grossteils um die 45°. Je nach Breite in grossen Turns oder Kurzschwung. Der Sluff rauscht nur so hinter uns her. Die 3 Steilstellen lassen sich abrutschend, springend mit Ski überwinden. Die meiste Zeit stecken wir in der Quellbewölkung. Schade aber bezüglich Wegfindung kein Problem. Nach 1h sind wir unten auf dem Bodmergletscher. Fett, fett, fett.
Die weiteren 1500Hm bis zum Auto vernichten wir in 20min. Der Schnee ist natürlich schwer. Aber das Gelände hat richtig Potenzial, zum Schluss noch lichter Lerchenwald. Unbedingt nochmal mit Powder. Dann aber mit Aufstieg von der Hohsaas-Seilbahn.
Aiguille de Chardonnet - Südwand Couloir
Seit Monaten ist
die Haute Route von Chamonix nach Zermatt für die Woche vor Ostern geplant. Salva,
Augusto und 4 weitere aus Barcelona kommen, Til und Lise aus Trondheim und
eigentlich auch Sofia und ich... wäre da nicht ihre Plantarsehnenentzündung,
die sie seit 2 Monaten lahm legt. Obwohl sie kaum normal geradeaus laufen kann vor
Schmerzen, will sie es trotzdem versuchen. Nun denn. Nach langer langer
Zugfahrt, stehen wir also in Argentière und ich trage Sofias Ski während sie
zur Seilbahn humpelt. Das Wetter ist nicht wirklich gut, aber ausreichend für
den kurzen Hüttenzustieg. Gemeinsam mit Til und Lise fahren wir von Grands
Montets zum Gletscher ab, und steigen die knappe Stunde zum Ref. Argentière.
Salva und die anderen sind schon da und und wir verbringen mal wieder einen
verdammt lustigen Hüttenabend mit viel Vino Tinto. Sofia gesteht sich nun ein,
dass sie wohl nicht weitergehen sollte. Um überhaupt etwas zu tun möchte ich
aber die anderen noch bis zum Col de Chardonnet begleiten, und Sofia dann
später an der Hütte abholen. Insgeheim liebäugel ich allerdings mit dem Südwand
Couloir auf die Aiguille de Chardonnet, falls die Bedingungen stimmen. Am
nächsten Morgen laufen wir also durch Graupelschauer in Richtung Col, als um
halb 9 die sonne rauskommt und sich das perfekt eingesschneite Couloir präsentiert.
Ich verabschiede mich von den anderen und spure mit aufgebundenen Skiern das
grossteils 45° Couloir nach oben. Auf der Hälfte traversiert man nach links in
ein zweites Couloir, welches dann bis zum Forbes Grat nach oben zieht. Nach 2h
bin ich am Ende des fahrbaren Teils angekommen. Was fehlt sind 15m durch eine
Mixed-Rinne zum Grat und dann noch 50m zum Gipfel. Allein, und ohnehin schon
spät dran, verzichte ich aber. Das Anziehen der Ski im 50° Gelände ist recht
kompliziert, dann kanns aber schliesslich los gehen. Mittlerweile ist der
Schnee angesulzt... perfekte Bedingungen und eine super Abfahrt durch das 400Hm
Couloir. Ganz unten kommen mir 4 Personen entgegen...reichlich spät. In nur 5min
cruise ich den Glacier de Chardonnet nach unten und mache mich an den mühsamen
Gegenanstieg zurück zu Hütte. Gemeinsam mit Sofia geht es dann durch zunehmend
schwereren Sulz bis nach Argentière, von wo aus wir die Autos der Katalanen nach
Visp kutschieren. Die anderen erwischen eine unvergleichliche
Schönwetterperiode, und schaffen die Haute Route mehr oder weniger problemlos
in 4 Tagen. Wir gehen zurück ins Büro und dann Rennradfahren ins Allgäu.
Marinelli Couloir - durch die höchste Wand der Alpen
Mal wieder ist die Wettervorhersage gut. Zwar hätte ich
eigentlich mehr Lust auf Eisklettern in Cham, aber der schlechte Winter dort,
und die super Schneelage in Zermatt, sprechen doch eher für Steepskiing im Wallis.
Ich schlage Javi vor, das Marinelli Couloir durch die Monte Rosa Ostwand zu
versuchen. Eine 2500Hm Steilabfahrt durch die höchste Wand der Alpen. Normal
wir diese Abfahrt der Superlative später im Jahr gemacht, da dann weniger
Blankeis zu erwarten ist. Mit so viel Schnee im Süden dieses Jahr sollte es
aber eigentlich schon im April machbar sein. Ausserdem liesse sich so ganz bis
Macugnaga auf 1400 abfahren, ohne wie im Mai üblich noch 2h tragen zu müssen.
Die Line lässt sich mit Photos und Betas ziemlich gut auschecken, und ich bin
zuversichtlich die Route auch zu finden.
Die vorherrschenden Bedingungen sind eine andere Frage. Javi ruft bei
Heliski Macugnaga an und erfährt, dass die Einfahrt von der Zumsteinspitze
wegen Seracstuden nicht möglich wäre, dass aber die Direktroute vom
Silbersattel schon einmal gemacht worden wäre dieses Jahr. Go.
Bleibt also noch die Frage des Zustiegs, da wir beide keinen
Bock haben, zum wiederholten Mal einfach nur auf die Monte Rosa Hütte zu
laufen. Uns bleiben 2 ½ Tage Schönwetter, und wir legen uns einen ambitionierten
Plan zurecht. Tag 1: Klein Matterhorn mit Überschreitung Castor zum Rif.
Quintino Sella. Tag 2: Überschreitung Lyskamm mit Abfahrt zur Monte Rosa Hütte
Tag 3: Silbersattel und Abfahrt Marinelli.
Wegen Party-Verpflichtungen muss ich Samstagabend noch in Zürich
feiern gehen, und treffe somit ohne wirklich viel geschlafen zu haben
Sonntagmorgen in Visp ein. Vom Zug nach Zermatt aus versuchen wir wiederholt in
Quintino Sella zu reservieren und erreichen niemanden. Langsam beschleicht uns
der Verdacht, dass die Hütte zu ist. Merde. Ohne Kocher etc. wird’s wohl nix.
Obwohl wir schon reichlich spät dran sind, wird unser Plan gezwungener Massen
noch ambitionierter, in dem wir Tag 1 und 2 zusammenfassen wollen. Javi ist
skeptisch wegen der Länge der Tour, aber fürs erste setze ich mich durch.
Im Aufstieg zum Castor merke ich aber schon, dass Javi heute
nicht ganz fit ist, und erstaunlich lange braucht. Trotzdem gehen wir noch
weiter Richtung Lyskamm West. Javi klagt nun sogar über leichte Übelkeit und
Kopfschmerzen… Höhenkrankheit. Alright, dann also über den Zwillingsgletscher
nach unten. Die Abfahrt durch die Gletscherbrüche ist spektakulär. Auf 3100
traversieren wir 10m neben den anderen Spuren nach links, ich bin 5m hinter
Javi, als er plötzlich mit einem Schrei im Boden verschwindet, und ein 2m2
grosses Loch hinterlässt. Oh Verdammt. Ich bleibe wie erstarrt stehen und
versuche etwas zu hören. Ganz leiss lässt sich ein Ruf aus der Tiefe vernehmen.
Ein Glück. Das schlimmste ist also nicht eingetreten. Nun beginne ich mich
umzusehen, und mir läuft es kalt den Rücken runter. Ich stehe in einem
Labyrinth aus Kreuzspalten, die meisten tückisch mit 30cm Schnee verdeckt. Auch
Javis Spalte zieht bedrohlich in meine Richtung. Ich fange an mit dem Eisgerät
zwischen meinen Füssen zu graben und stosse nach 30cm auf Blankeis. 2
Eisschrauben rein und erst mal selbst sichern. Puh. Javi hat das Seil im
Rucksack. Zum Glück haben wir auf dieser Tour zusätzlich eine 60m Kevlarschnur
dabei, um im Marinelli abseilen zu können. Ich befestige diese am
Schraubenstand und gehe gesichert Richtung Spalte. Nun höre ich Javi rufen. Er
sein 15m tief unten, aber unverletzt, und hätte auch einen Ropeman dabei. Kein
Heli. Ich befestige den Schaufelstil am Seilende und werfe ihn nach unten. Dann
gehe ich zurück zum Stand hänge mich ins Seil um die Schrauben zu entlasten.
Und warte. Immer wieder ruckt es am Seil, Javi klettert wohl hoch. Während ich
also mit Seilzug auf dem Boden liege, löst sich in der Lyskamm Nordwand rechts
von mir eine Eislawine, die sich innerhalb von Sekunden zur grössten
Staublawine verwandelt, die ich je gesehen habe. Das ganze Tal des
Grenzgletschers ist von der Wolke eingehüllt. Oh Mann. An der Monte Rosa Hütte
gegenüber hätte es von der Druckwelle alle Ski umgehauen, sagt man uns später. Auch
am wesentlich näheren Westgipfel hängen bedrohliche Seraks. Ich erinnere mich
an den albernen Film Vertical Limit, in dem der Protagonist zu seinem Partner
in die Spalte springt, um der Lawine zu entgehen. Vielleicht doch nicht so
unrealistisch.
Nach etwa 1h vernehme ich deutliches Schnaufen und Fluchen
aus dem Loch vor mir. Irgendwann sehe ich wie ein Pickel von unten versucht das
Loch zu vergrössern. Und schliesslich kommt ein Kopf aus dem Schnee. Minuten
später wälzt sich Javi erschöpft und gezeichnet über den Rand. Ohne Ski. Super,
jetzt müssen wir doch den Heli rufen, schiesst es mir durch den Kopf, als er
grinst, und weiter am Seil zieht, bis auch die Ski aus der Spalte auftauchen. Ausser
einem verstauchten Daumen ist ihm nichts passiert. 15 Meter sei er in die immer
enger werdende Spalte hinunter, bis er irgendwann in auf einem Zwischenboden
gestoppt wäre. Vorne und hinten weitere schwarze Löcher. Uiuiui. Ganz behutsam
hätte er sich an einer Schraube gesichert, dann die Ski abgenommen, und sei mit
nur einem Ropeman, stufenschlagend an der 6mm Reepschnur hochgeklettert.
Ich biete ihm an sofort nach Zermatt und nach Hause zu
fahren, aber er will lieber auf die Hütte. Angeseilt tasten wir uns also durch
das Spalten Labyrinth des Zwillingsgletschers. Noch nie habe ich ein solch
mulmiges Gefühl auf einem Gletscher gehabt. Pünktlich zum Abendessen sind wir
auf der schönen neuen Monte Rosa Hütte. Unsere Story macht die Runde und es
gibt sogar einen Schnaps auf den Schock.
Am nächsten Morgen gehen wir mit vielen anderen um 4 los
Richtung Dufourspitze. Es ist saukalt und die Finger wollen gar nicht mehr warm
werden. Immerhin ist die Spur gut. Wir sind nicht übermässig schnell und
brauchen 5h zum Silbersattel. Hier knallt schon die Sonne in die Ostwand, es
ist fast windstill. Während Javi sich mit einer Gruppe Basken vergnügt, renne
ich solo noch schnell auf den Nordend. Fett expo, aber mit 2 Eigeräten gut
machbar. Der Tiefblick in die Ostwand ist gewaltig. Grosse Teile des Marinelli
Couloirs sind einsehbar, und man sieht 3 Spuren von Heliskiern. Der Schnee
sieht gut aus. Am Nordend Gipfel bekomme ich von ein paar Bernern sogar etwas
kalte Pizza. Deluxe. Später erfahre ich dass es sich um Thömel handelte. Immer
wieder lustig wenn man Leute deren Pseudonym man aus dem Gipfelbuch Foum kennt,
irgendwann trifft.
Um 10 Uhr beginnen wir die Abfahrt. Erst 50m abklettern,
dann kommt doch tatsächlich die eingerichtete Abalokov Abseilstelle, auf die
wir wegen der Heliskier spekuliert hatten. Noch einmal zahlt sich die Mitnahme
von 2 Seilen aus, da wir easy 40m abseilen können, und nach weiteren 15m
Absteigens auf einer von den Heliskiern ausgehobenen Plattform unsere Ski
anziehen können. 4400, noh 2200Hm Wand liegen vor uns.
Den Anfang macht ein 200m 50° Couloir, die Schlüsselstelle.
Javi fährt als erster und ist schnell hinter den Felsen verschwunden. Ich tue
mir am Anfang ungewohnt schwer, da der Schnee doch schon etwas weich ist, und
nicht so richtig halten will. Zudem komme ich rechts kurz einmal ins Blankeis
durch. Nach ein paar Schwüngen passts aber und ich heize Javi hinterher. Es
folgen 300Hm 45° offene Hänge, 300Hm 45° Couloir neben den Seraks und dann die
Traverse ins eigentliche 40° 1000Hm Marinelli Couloir. Der Schnee ist der
Hammer. 20cm Powder der links schwer, rechts aber sogar einigermassen locker
ist. Obwohl wir mittlerweile grosse Big Mountain Turns fahren, kommt man dem Ende
des Couloirs gefühlt kaum näher. Die Dimensionen dieser Wand sind
unvorstellbar. Immer wieder hält man an, schnauft und staunt. Wahnsinn.
Irgendwann wird der Schnee dann doch schwerer, ein kleiner Sprung über den
Bergschrund und man traversiert nach rechts aus dem Couloir hinaus. Es folgt
der flache Belvedere Gletscher und schliesslich ein Skipiste, bis wir in Pecetto
direkt neben der Bar die Ski abschnallen. 3100Hm Abfahrt liegen hinter uns.
40min fürs die Wand und nochmal 40 für den Rest. Unglaublich. Da wir den Bus
nach Domodossola um 10 min verpasst haben, bleiben uns gemütliche 3h Wartezeit
mit Bier und Espressi.
Montag, 31. März 2014
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