Sonntag, 27. April 2014

Canale Richi - Gewalttour durch die Fletschhorn Ostwand


Donnerstags morgens entdecke ich den Eintrag von lorenzo auf gipfelbuch.ch - 800m Couloir durch die Fletschhorn Ostwand. Start in Simplon Dorf auf 1500 also eine ziemliche Gewalttour von 2400Hm, aber an einem Tag machbar. Die Prognose zeigt ein Schönwetterfenster für Samstag morgen... könnte gehen. Javi ist schnell für das Projekt gewonnen und wir treffen uns Freitag abend in Visp. Um 10.30 sind wir in Simplon Dorf, und schlafen die verbleibenden 3h ziemlich gediegen im neuen VW California. 
2.45 gehts los. Der Schnee fängt direkt am Auto an, und es geht im Stockdunkeln nach oben Richtung Bodmergletscher. Ab und zu ist eine alte Spur zu erkennen, trotzdem verpassen wir auf ca 2000 die Traverse und queren ohne Harscheisen etwas heikel die steilen Hänge wieder nach unten. Einmal im Richtigen Bachtal angekommen, gehts dann aber zügig weitere 1000Hm bis zum Anfang der Wand. Mitterweile ist es hell und die Wand sieht eindrucksvoll aus, wobei das Couloir recht straight-forward aussieht. 





Die ersten 100Hm des Couloirs gehen wir noch mit Ski bis kurz über den Bergschrund. Schon jetzt knallt die Sonne voll auf die Wand. Essen, trinken, Ski aufbinden, und um Punkt 7 fange ich mit dem Spuren an. 800Hm to go. 
Die Abfahrtsspuren von Lorenzo ist zu sehen, nicht aber die erhoffte Aufstiegsspur. Wahrschienlich zu viel Sluff drüber. Selber spuren ist also angesagt. Anfangs trägt der Schnee ganz gut und wir kommen immerhin mit 300Hm pro Stunde voran. Der Schnee wird immer pulvriger. Bi szu 40cm sinken wir ein. Was zwar richitg Abfahrtsspass verspricht, heisst für den Aufstieg aber richtige Mühe. Und das mit 2000Hm in den Beinen. Drei kurze, leicht vereiste Steilstufen stellen sich in den Weg. Im Aufstieg OK, in der Abfahrt aber sicherlich spannend. Auf 3550 queren wir vom rechten Couloir in die Wandmitte. Mittlerweile hat mich Javi eingeholt wir spuren die letzten 200Hm unglaublich mühsam bis zum Breitloibgrat. 
Noch bleiben 150Hm mit Ski auf dem breiten Rücken bis zum Ostgipfel. Was wie 20min aussieht, sind für uns in unserem Zustand über eine Stunde. Nach genau 9h sind wir oben. Den Hauptgipfel schenken wir uns rasten auf 3927 im T-shirt. Leider nimmt die Quellbewölkung von Süden immer mehr zu und wir machen uns abfahrtsbereit. 


 Um 12.10 gehts los. Big Turns im lockeren Powder über den Gipfelhang hoch über der Nordwand. Dann die Einfahrt ins Couloir. Kurz >50° dann aber in schwerem Pulver grossteils um die 45°. Je nach Breite in grossen Turns oder Kurzschwung. Der Sluff rauscht nur so hinter uns her. Die 3 Steilstellen lassen sich abrutschend, springend mit Ski überwinden. Die meiste Zeit stecken wir in der Quellbewölkung. Schade aber bezüglich Wegfindung kein Problem. Nach 1h sind wir unten auf dem Bodmergletscher. Fett, fett, fett.
Die weiteren 1500Hm bis zum Auto vernichten wir in 20min. Der Schnee ist natürlich schwer. Aber das Gelände hat richtig Potenzial, zum Schluss noch lichter Lerchenwald. Unbedingt nochmal mit Powder. Dann aber mit Aufstieg von der Hohsaas-Seilbahn. 




Aiguille de Chardonnet - Südwand Couloir

Seit Monaten ist die Haute Route von Chamonix nach Zermatt für die Woche vor Ostern geplant. Salva, Augusto und 4 weitere aus Barcelona kommen, Til und Lise aus Trondheim und eigentlich auch Sofia und ich... wäre da nicht ihre Plantarsehnenentzündung, die sie seit 2 Monaten lahm legt. Obwohl sie kaum normal geradeaus laufen kann vor Schmerzen, will sie es trotzdem versuchen. Nun denn. Nach langer langer Zugfahrt, stehen wir also in Argentière und ich trage Sofias Ski während sie zur Seilbahn humpelt. Das Wetter ist nicht wirklich gut, aber ausreichend für den kurzen Hüttenzustieg. Gemeinsam mit Til und Lise fahren wir von Grands Montets zum Gletscher ab, und steigen die knappe Stunde zum Ref. Argentière. Salva und die anderen sind schon da und und wir verbringen mal wieder einen verdammt lustigen Hüttenabend mit viel Vino Tinto. Sofia gesteht sich nun ein, dass sie wohl nicht weitergehen sollte. Um überhaupt etwas zu tun möchte ich aber die anderen noch bis zum Col de Chardonnet begleiten, und Sofia dann später an der Hütte abholen. Insgeheim liebäugel ich allerdings mit dem Südwand Couloir auf die Aiguille de Chardonnet, falls die Bedingungen stimmen. Am nächsten Morgen laufen wir also durch Graupelschauer in Richtung Col, als um halb 9 die sonne rauskommt und sich das perfekt eingesschneite Couloir präsentiert. Ich verabschiede mich von den anderen und spure mit aufgebundenen Skiern das grossteils 45° Couloir nach oben. Auf der Hälfte traversiert man nach links in ein zweites Couloir, welches dann bis zum Forbes Grat nach oben zieht. Nach 2h bin ich am Ende des fahrbaren Teils angekommen. Was fehlt sind 15m durch eine Mixed-Rinne zum Grat und dann noch 50m zum Gipfel. Allein, und ohnehin schon spät dran, verzichte ich aber. Das Anziehen der Ski im 50° Gelände ist recht kompliziert, dann kanns aber schliesslich los gehen. Mittlerweile ist der Schnee angesulzt... perfekte Bedingungen und eine super Abfahrt durch das 400Hm Couloir. Ganz unten kommen mir 4 Personen entgegen...reichlich spät. In nur 5min cruise ich den Glacier de Chardonnet nach unten und mache mich an den mühsamen Gegenanstieg zurück zu Hütte. Gemeinsam mit Sofia geht es dann durch zunehmend schwereren Sulz bis nach Argentière, von wo aus wir die Autos der Katalanen nach Visp kutschieren. Die anderen erwischen eine unvergleichliche Schönwetterperiode, und schaffen die Haute Route mehr oder weniger problemlos in 4 Tagen. Wir gehen zurück ins Büro und dann Rennradfahren ins Allgäu.