Sonntag, 1. Februar 2015

Japan - Myoko


Nachdem Curly und ich bestimmt 3 Jahre darüber gesprochen haben, irgendwann einmal nach Japan zum Skifahren zu gehen, sitzen wir doch eines Donnerstags Abends tatsächlich im Flugzeug nach Tokyo. Die Vorfreude ist enorm und der Schneesturm bei der Zwischenlandung in Paris stimmt uns schon mal auf die Unmengen an Powder ein, die wir erwarten.


Unseren riesigen Skibags scheint es in Paris gleich so gut zu gefallen, dass sie den Weiterflug nach Tokyo verpassen. Ziemlich bedröppelt stehen wir also 12h später am dortigen Bagagge-claim. Gleich drei zierliche Japanerinnen kümmern sich unter grossem Kichern um uns, und versuchen herauszufinden wo die Airline die Ski hinbringen soll. Die Tatsache, dass wir eine Rundreise mit nächtlich wechselnden Hotels gebucht haben, scheint sie dann doch sehr herauszufordern, und das Kichern wird immer stärker. Ob es wohl breite Leih-Ski gibt in Japan? Schliesslich erklären wir uns bereit, die Ski am nächsten Tag eigenhändig am Flughafen abzuholen, um das Risiko zu minimieren.


Wir verbringen die Nacht und den nächsten Vormittag in Yokohoma mit schlafen, sight-seeing und ziemlich viel U-Bahn fahren. Es ist kalt und sonnig und die Aussicht vom höchsten Wolkenkratzer auf das Häusermeer von Tokyo-Yokohama ist gigantisch. Und über allem thront der majestätische Fuji. Am frühen Nachmittag dann zurück zum Airport, wo doch tatsächlich unsere Ski auf uns warten. Jetzt kanns losgehen, nächstes Ziel: Myoko.



Zuerst geht’s mit dem Shinkansen nach Nagano, wo wir in einen Regionalzug umsteigen. Als dieser einfährt, schlagen wir zum ersten Mal ein: Die Lokomotive ist so mit Schnee zugeklebt, dass man sie fast nicht erkennt. Bald verstehen wir auch warum. Auf der einstündigen Fahrt Richtung Japanisches Meer wächst der Schneeberg links und rechts der Gleise mit jedem Kilometer, den wir nach Westen fahren. Als wir in Myoko Station austeigen, sind es schon mal gute 1.5m Schnee – auf 500m Meereshöhe! Ein freundlicher Australier fährt uns vom Bahnhof zum etwas höher gelegenen Skiort. 2.5 m Schnee auf 700m! Wir checken erst mal den Skikeller unserer Pension, um die Competition einzuschätzen. Unsere Ski sind zwar die breitesten, aber etwas Wettbewerb gibt’s schon.


Yuri der Besitzer der Pension ist super nett, aber an die Ausstattung unserer Zimmer müssen wir uns erst mal gewöhnen. Kein Tisch, kein Stuhl, keine Betten – nur eine Matratze auf dem Schilfmatten-Boden. Sehr cool. Draussen schneits immer noch wie verrückt und eine Schneefräse macht sich an die Arbeit den Parkplatz auszugraben. Kein leichter Job bei 70cm Neuschnee in einer Nacht. Wir freuen uns wie Schneekönige auf den nächsten Tag.


Nach etwa einem Kilo Reis zum Frühstück am nächsten Tag machen wir uns fertig und laufen zum Lift. Dort macht sich dann ziemlich schnell Ernüchterung breit. 100m Schlange, mindestens 50% Westler, und fast alle inklusive den Japanern mit verdammt breiten Ski und Snowboards. Da fliegt man um die halbe Welt, und es geht zu wie in Engelberg. Hilft nix, jetzt sind wir hier. Mit einer komischen eierförmigen Kleingondel geht’s nach oben und weiter mit einem Vierersessel. Raus aus dem Sessel und los geht’s, ab in unseren ersten J-Pow. Das Terrain ist nicht wirklich steil mit relativ dichtstehenden Laubbäumen. Schnee gibt’s ohne Ende. Nach nicht mal 10 Sekunden habe ich Curly schon verloren  - worauf ich aber jetzt keine Rücksicht nehmen kann. Überall zwischen den Bäumen sieht man bunte Punkte von Freeridern. Mit meinen breiten Born-to-Drops ist es nicht wirklich schwierig. Einfach geradeaus, und ja keinen Baum erwischen. Schon viel zu bald kommt ein kleines Tal und ich quere zurück zum Lift. Curly kommt ein paar Minuten später. Wir machen den gleichen Run mit Variationen noch ein paar Mal, bis wir konsterniert feststellen müssen, dass es nun doch schon recht verspurt ist – und es ist nicht mal 10 Uhr. Wir schauen uns an: Spassiges Treeskiing - ja. Der Oberhammer – nicht wirklich. Und schneller verspurt als in den schlimmsten In-Resorts der Alpen.






Wir probieren ein paar andere Lifte aus bis wir schliesslich einen finden, unter dem das Terrain deutlich steiler ist. Wir ducken uns unter dem Absperrband durch, und fahren einer Spur nach auf einem flachen dicht bewaldeten Rücken entlang, bis dieser nach allen Seiten in steilen Hängen abbricht. Vor uns liegt das Paradies: ein Hang – nur 100Hm, aber 45° steil, mit riesigen Pillows und sogar kleinen Spines. Und keine einzige Spur weit und breit. 

Ich droppe als erstes hinein. Es ist der Wahnsinn. Der Schnee ist so tief, dass er mir nach jedem Sprung bis über den Kopf geht. Nur dank der Steilheit und der breiten Ski geht es immer weiter. Der Schnee ist unglaublich fluffig und hält. Keine Anzeichen von Schneebrettern – nur Unmengen Sluff. Ein tief eingeschnittenes Tal führt zurück zur Piste. Ich bin so gestoked wie noch nie zu vor. Wie geil war das denn. Curly kommt, auch er mit einem Ausdruck von 'Ich-kann-nicht-glauben-wie geil-das gerade-war' in den Augen. Zurück zum Lift, wieder hoch, gleicher Run nochmal und nochmal und nochmal. Jedes Mal eine kleine Variation, jedes Mal eine neue Line. Wir sind fast komplett alleine. Wo sind denn all die Freerider hin? Nach 8 Runs meint Curly er wolle sich wegen seiner Erkältung schonen und zurück in die Pension gehen. Bitte? Vergeblich versuche ich ihn zu überreden. Dann halt alleine weiter. Am Ende des Tages bin ich den Run 25 Mal gefahren. Eine Line besser als die andere. Besonders in Erinnerung bleiben diese: eine Pillowline mit 4 jeweils 2m hohen Pillows in 45° Gelände. Mut zusprechen, Skier gerade stellen und los … hop, hop, hop, hop. Und natürlich die Drops über die Lawinengitter, die nicht nur komplett mit Schnee gefüllt, sondern auch noch 1m überwächtet sind. Mit ein bisschen Speed gibt das einen respektablen Drop von 6-7m. Beim Bier am Abend habe ich immer noch nicht aufgehört zu grinsen – einer der Top5 Tage meiner Skikarriere
.




Die Nacht bringt nur 20cm Neuschnee, und wie zu erwarten habe ich meinen gestrigen Run so zerfahren, dass er sich nicht mehr lohnt. Zum Glück haben wir uns eine Karte mit Höhenlinien besorgt, und zusammen mit Google Earth herausgefunden wo die steilsten Stellen im Sidecountry sind. Wir traversieren an den rechten Rand des Ressorts und stehen wieder vor einem respektablen Steilhang mit einigen Cliffs. Die Sicht ist nicht ganz perfekt und ich rutsche eine enge Ringe erstmal seitlich ab. Dann öffnet sich das Terrain. Ein kaum bewaldetes Tal mit schönen 30° Hängen und keine Spur weit und breit. Wir lassens krachen und cruisen in big-turns nach unten bis wir an eine Strasse kommen, auf welcher wir zurück Richtung Ressort traversieren. Irgendwann kommen ein paar andere Spuren dazu und wir treffen zwei andere Freerider, die statt Lawinen-Airbags Walkie-Talkies und Trillerpfeifen haben – macht eigentlich Sinn beim Treeskiing. 


Dann verschwindet die Spur plötzlich in einem Tunnel. Der Eingang ist noch leicht, der Ausgang nach 100m aber komplett mit Schnee gefüllt. Nur ein schmaler Tunnel – gerade breit genug für eine Person-  führt fast senkrecht etwa 2 Meter nach oben ans Licht. Curly kämpft sich hoch, ich reiche ihm die Ski nach, dann komme ich nach. Wiedermal ein Beweis dass Japan einfach viel mehr Schnee hat. Mittags treffen wir uns mit Samuel und Thomas, zwei Schweizer Kollegen, die im benachbarten Hakuba vor den Massen geflohen sind. Mit ihnen machen wir den Tunnel-Run noch mehrere Male, was wegen des beschwerlichen Rückwegs aber immer seine Zeit braucht.





Am dritten Tag scheint zum ersten mal die Sonne. Neuschnee hats keinen. Zusammen mit Samuel und Tomas montieren wir also die Felle und gehen vom höchsten Punkt des Ressorts etwa 400Hm zu einem Vorgipfel des Mount Myoko. Unterwegs überholen wir bestimmt 50 Leute, die teils Bootpacken oder aber zum ersten Mal auf einer Skitour zu sein scheinen. Während alle entlang der Aufstiegsspur zurückfahren, droppen wir auf der anderen Seite in den Wald. Ein 1000Hm Run durch unverspurten Wald bringt uns links des Ressorts nach unten, bis wir zurück traversieren können. Keine Wow-Abfahrt aber doch sehr cooles Treeskiing. So muss man es machen in Japan. Ein bisschen off-the-beaten track und man ist komplett allein. Wir machen die Tour gleich nochmal, dann müssen Curl yund ich zurück zur Pension – packen. Für den Abend haben wir eine lange Weiterreise vorgesehen: über Nagano und Tokyo in 6h nach Aomori an die Nordspitze der japanischen Hauptinsel Honshu.


Mittwoch, 8. Oktober 2014

Mönch - Lauper-Route TD-

Eiger und Mönch von der kleinen Scheidegg
Schon den ganzen September über liest man von den Traumbedingungen, die wohl in so ziemlich allen Nordwänden herrschen sollen. Obwohl ich fast wöchentlich tolle Touren im Fels mache, stellt sich dieses bekannte Unzufriedenheitsgefühl ein, gerade etwas zu verpassen. Schliesslich kann ich Valery davon überzeugen, dass wir nach einer harten Kletterroute eh einen Ruhetag bräuchten und diesen dann doch auch gleich für einen Hüttenzustieg mit anschliessender Nordwand nutzen können.
Valery fährt also von den Wendenstöcken direkt Richtung Berner Oberland und übernachtet auf dem Campingplatz. Ich nehm den Zug von Meiringen nach Zürich, da wir über Nacht Gäste erwarten. Am nächsten Vormittag dann also mit Eis- statt Felsausrüstung wieder los mit dem Zug. Wir treffen uns in Lauterbrunnen und nehmen die Jungfraujochbahn zur Station Eigergletscher. Die Bedingungen in der Mönch Nordwand sehen verdammt gut aus. Runter, rüber, rauf, nach 2h kommen wir auf der Guggihütte an. 2 Seilschaften sind schon da, die aber den Nollen machen wollen. Wir geniessen die Abendstimmung auf dieser einmalig gelegenen Hütte. Beim Blick nach Nord-Westen wähnt man sich im Flugzeug, wären da nicht die Geräusche von abbrechenden Seracs tief unten auf dem Guggigletscher. Eine wilde Umgebung. Während wir uns vollfressen, kommen noch 2 weitere Teams mit dem Ziel Lauper-Route. Naja. Auch egal. Einer hat zumindest einen Tipp, wie der Abstieg in den Gletscherkessel zu finden ist.


Abendstimmung an der Guggihütte

Vollmond über dem Jungfraujoch

Um 4Uhr laufen wir als erste von der Hütte los, erstmal ohne Steigeisen, was sich als falsche Entscheidung herausstellt. Die erste Querung ist leicht vereistes Geröll, so dass wir trotz der Wegspuren gewaltig rumeiern. Nach 200 Hm nimmt der Schnee zu und wir legen die Eisen für den Rest des Tages an. Auf 3100 kommen 2 kleine Plateaus bevor der Grat wieder Richtung Nollen aufsteilt. Natürlich folgen wir den falschen Spuren und sind zu hoch. Also wieder zurück bis wir ein paar Spuren finden, die Richtung Gletscherkessel steil nach unten führen. Es liegt gerade ausreichend Schnee und der Abstieg, vor dem ich viel Respekt hatte, geht erstaunlich leicht. Wir queren den Kessel und beginnen die Felsstufe, die hoch zum grossen Firnfeld und Richtung Lauperroute führt. Der Fels ist unangenehm geschichtet, teilweise leicht vereist und lässt sich nur schwer absichern. Wir beginnen am kurzen Seil, wechseln für 50m aber dann doch auf Standplatzsicherung. Dann geht es das grosse Firnfeld ca 45° und 150Hm nach oben bis an den Beginn des Bandes, das zu den Schlüsselstellen führt.

das Band in Richtung Schlüsselstelle.


das Band in Richtung Schlüsselstelle.
Das Band hat recht guten Trittschnee ist aber doch ziemlich exponiert. Wir gehen gemeinsam am langen Seil und ab und zu lässt sich ein Cam platzieren. Nach 100m Querung kommt die erste Schlüsselstelle, eine M4 Verschneidung, mit reichlich Schnee und Eis. Natürlich bin ich mit Vorsteigen dran, was aber ganz gut geht. Ein paar alte Haken schonen die Nerven. Oben gibt es den ersten gescheiten Rastplatz seit langem, direkt unter dem brühmten Schulterstand-Dach der Lauper-Route. Mittlerweile haben die beiden anderen Seilschaften zu uns aufgeschlossen und wir lassen eine passieren, um endlich etwas essen und trinken zu können. Der Ausblick nach Norden ist gewaltig.

im Ausstieg aus der M4 Crux

Unter dem Schulterstand-Dach.

Heutzutage macht kaum einer mehr einen Schulterstand - wie auch mit Steigeisen? Stattdessen hängen über das Dach ein paar Fixschlingen, in die man mit einem Frontzacken hineinsteht, sich hochzieht, und dann mit einem Foothook auf das Dach aussteigt. Noch ein paar wackelige Moves, dann kommt ein guter flacher Stand.

Unter dem Schulterstand-Dach.

Auf dem Schulterstand-Dach. Tiefblick nach Lauterbrunnen

Der Blick auf die verbleibenden 500m öffnet sich. Bei Ausaperung ist hier extrem heikles Gelände, 50° Platten fast ohne Sicherungsmöglichkeit. Nun liegt etwa 10cm Trittschnee auf dem Fels. Gerade genug um zügig hoch steigen zu kennen, nur sichern lässt sich halt nicht. Wir packen das Seil in den Rucksack und gehen das steile Firnfeld in Richtung Lauperrippe. Bei Firn Verhältnissen im Mai/Juni würde man nun in das Couloir rechts der Rippe wechseln und in 50° Trittschnee zum Grat sprinten. Jetzt im Oktober zeigt sich das Couloir sehr eisig und wir haben wenig Lust in unzähligen Seillängen und mit viel Geschraube und glühenden Waden da hoch zu gehen. Wir halten uns deshalb an die Rippe, welche festen und gut absicherbaren Gneis bietet, grossteils 3er Gelände.

guter Trittschnee auf den Gneisplatten

Der Grat kommt immer näher und schliesslich taucht die Gneisrippe in den Firn ein. Noch einmal gilt es die Zähne zusammen zu beissen und trotz dünner werdender Luft nicht zu viele Pausen zu machen, als wir in guten Trittspuren der Himmelsleiter in Richtung Grat folgen. Der Tiefblick ist gewaltig.

Ausstieg von der Lauperrippe

Ausstieg von der Lauperrippe


Dann der Schritt auf den Grat und wir stehen in der Sonne. Links die 300m hohe Nordost-Wand... auch einigermassen steil aber doch ziemlich klein gegenüber der Wand, durch die wir gerade gekommen sind. Dafür hätte die Nord-Ost Wand perfektesten Presspulver und schreit fast schon nach einer Skibefahrung. Kurz überlege ich mir, ob das nicht ne Idee für den Sonntag wäre, aber ganz so billig ist das Ticket zum Jungfraujoch dann eben doch nicht.
Nord Ost Wand
Gipfelgrat
Dem scharfen Schneegrat nach, stehen wir nach nochmal 150Hm auf dem Gipfel des Mönchs. Für mich das zweite Mal, nach dem wir 2008 mit Javi, Salva und Salome, mit Ski vom Vorgipfel über die Ostwand abgefahren sind.
Insgesamt haben wir 7 1/2 h gebraucht, wir sind zufrieden. Ca. 30 Normalweggeher sind auch schon da, was aber noch gar nix gegenüber den Hundertschaften ist, die man unten am Jungfraujoch sieht. Uns ists egal, bei solchen Touren ist der Gipfel ohnehin nicht der Höhepunkt. Nach kurzer Rast gehts der Riesenspur nach runter Richtung Ostgrat.

Normalweg im Abstieg
Ab und zu halten wir und studieren mögliche Skiabfahrten, bis wir nach einer Stunde auf die Autobahn einbiegen, die von der Mönchjochhütte zum Jungfraujoch führt. Ein kurzer Sprint bringt uns genau rechtzeitig mit 200 Chinesen auf den Zug, in dem uns zum ersten Mal an diesem Tag hinsetzen können. Perfekt. Wenn nur jeder Berg so einen komfortablen Abstieg hätte.
die Autobahn

Fazit: Insgesamt eine tolle Route. Das Ambiente ist schon gewaltig wenn man von der Station Eigergletscher Richtung Hütte losläuft und steigert sich mit jedem Höhenmeter. Die vermeintlich heiklen Stellen -der Abstieg in den Kessel, und die Platten nach dem Schulterstand- waren bei diesen Bedingungen kein Problem. Am heikelsten empfand ich die Kletterei vom Kessel zum Firnfeld, wobei wir dort wohl auch einen ungünstigen Weg erwischten. Für mich war das ganze als Akklimatisierung und Testpiece für grössere Nordwandrouten gedacht. So gut wie alles geklappt hat, geht da also hoffentlich noch was dieses Jahr. Valery ist mit seiner ersten richtigen Nordwand auch ziemlich zufrieden, auch wenn er in den Mixedpassagen froh war, nicht vorsteigen zu müssen.

Pffaffenhut - Sonnenkönig 6c

Das erste Mal in die Wendenstöcke. So viel gelesen, so viele Bilder angeschaut...der Respekt ist gross. Natürlich wollen wir deshalb mit einer der leichtesten Routen anfangen, eher plattig als überhängend, und wohl recht gut abgesichert: Der Sonnenkönig am Pfaffenhut. Los in Zürich um 6, um 8 loslaufen vom Parkplatz an der Wendenalp. Die Wände sehen schon von hier richtig beeindruckend aus. Die Wegspuren sind erst gut, dann immer weniger deutlich, aber es geht doch gut und zügig an den Wandfuss. Um 10 steigt Valery dann also in die erste SL ein:
1. SL 6a+ . Gleichmal ein schöner Kaltstart, bei dem man gut hinstehen muss. Wahrscheinlich kein Problem, wenn man eingeklettert ist, jetzt fühlt es sich aber doch noch recht wackelig an. An einem kleinen Bauch dann die Crux, die gleichmal Valery's onsight Ambitionen beendet. Im Nachstieg komme ich recht leicht durch.

2. SL 6a. Easy Länge mit langem aber einfachem Runout zum Schluss.

3. SL 5b. über den Kopf des ersten Pfeilers, leicht brüchig bis zum Beginn des nächsten steilen Aufschwungs.

4. SL 6c. jetzt gehts los. Es sieht richtig steil aus, leicht überhängend aber mit erstaunlich vielen Griffen. Und so ist auch die Kletterei. Immer wenn ich das Gefühl habe, dringend einen guten Griff zu brauchen, dann kommt auch einer. Alle 3 Meter ein Bohrhaken, und immer wieder eine Schüttelposition... geht das etwa onsight? In der Mitte kommt ein grosser Überhang mit No-hand-Rest auf dem Band darunter. Darüber zieht ein Riss durch eine kompakte leicht geneigte Platte. Direkt über den Überhang erscheint mir zu schwierig. Ich versuche es 2m weiter links. Hier geht es leichter, aber ein Sturz würde einen gewaltigen Pendler bedeuten...nicht dran denken. Auf abschüssigen aber rauhen Tritten muss ich also wieder zurück in Richtung Riss eiern, bis ich endlich den nächsten Bolt klippen kann. Puh. Es folgen ein paar schwierige Moves an kleinen Seitgriffen und Reibungstritten à la Rätikon bis zum Stand. Onsight! Juhu.

5. SL. 5c+. Valery bekommt mal wieder die leichte Länge.

6. SL 6b. Wieder sehr kompakt, mit kleinen Seitgriffen. Elegante Kletterei. Kurz bevor es leichter wird kommt die Crux. Ich kann mich nicht recht entscheiden, ob direkt oder erst nach rechts, und verbrauche zu viel Kraft. Also erstmal nach rechts und dann wackelig zurück queren. Ich versaue den Fusswechsel und suche verzweifelt nach einem guten Griff... den ich nicht finde. Wie in Zeitlupe öffnen sich die Finger, Abflug. Verdammt, mein schöner Onsight. Im zweiten Versuch gehts natürlich dann viel zu leicht.

7. SL 6a+. steil diagonal nach links oben, an eher kleinen Griffen. Valery steigt sehr souverän vor. Ich hab im Nachstieg etwas Probleme und komme grade so durch. Komisch.

8. SL 4b. Lange einfache Querung.

9. SL 6a+. In Erinnerung bleibt vor allem der grosse Überhang, der athletisch piazzend überwunden wird.

10. SL 6b. Erst versteh ich überhaupt nicht, wo und wie. Dann gehts rechts aber doch erstaunlich leicht, auch wenn die Haken etwas spärlicher sind. Für kleinere LEute wahrscheinlich deutlich schwerer, für mich im Vergleich leichter als so manche 6a Länge.

11. SL 6a+. Ohne Probleme bis zum Top auf dem Pfeilerkopf wo fast alle Routen enden... ausser unsere natürlich. 4 schwerere und 5 leichtere Längen würden ganz auf den Gipfel führen. Leider ist es mittlerweile fast 4Uhr und um 7 wirds dunkel. 20SL sind doch etwas zu viel Oktober. Wir verzichten und seilen zügig über die Piste ab.

Mitterweile liegt der ganze Berg im berühmten Wendennebel und wir müssen schon sehr genau hinschauen um die Wegspuren im Abstieg zu erkennen. Um halb 7 sind wir trotzdem beim Auto.

Super Route, tolle Kletterei. Ich habe richtig Lust bekommen auf mehr Wendenstöcke-Kletterei. Dann wohl gezwungener Massen etwas schwereres.. leichteres gibts nämlich fast nicht. Für dieses Jahr wars das aber wohl. Nächstes Jahr dann zurück mit etwas mehr Fingerkraft:-)




Im plattigen Ausstieg der Crux Länge.

Valery in der 7. SL.


Dienstag, 23. September 2014

Bergseeschijen - direkte Westwand 6c


Zu Unrecht sehr selten begangene Route (weniger als eine Begehung pro Jahr). Eine der steilsten Granitrouten der Innerschweiz. Die Wand ist sehr stark gegliedert mit unzähligen leicht diagonalen Verschneidungen, und es gibt kaum längere Riss- oder Piazpassagen. Die Schlüsselzüge sind allesamt sehr boulderig und dreidimensional, dafür wenig anhaltend.
von der Bergseehütte in ca 30min unter die Westwand. Einstieg ist angeschrieben. Abstieg am besten über Normalweg in 1h30 zum Parkplatz.
Top saniert mit INOX BH. Zusätzlich viele recht gut erhaltene NH. Cams bis BDC4 0.5, keine Keile nötig. 12 Express. 50er Seile reichen.

Unsere Schwierigkeitseinschätzung weicht teils extrem von den im Schweiz-Granit bzw. SAC Führer angegebenen Graden ab.

1. SL 25m V (passt etwa)

2. SL 30m VI (eher 6b)

3. SL 30m VI (eher 6b+)

4. SL 30m VII (eher 7a)

5. SL 45m III (eher 4)

6. SL 30m VI- (eher 5c)

7. SL 20m VI- (eher 6a)

8. SL 30m VII (eher 7a)

9. SL 40m V (passt)

10 SL 40m IV (eher 5a)






Sonntag, 21. September 2014

Graue Wand - Heisse Linie 6c

Nach mehr oder weniger erholsamer Bivi Nacht am Parkplatz Tätsch, laufen wir Sonntag gegen halb 8 zur grauen Wand. Unser Ziel: die Rissroute 'Heiss Linie'. Die Route soll saniert sein, Informationen oder Begehungsberichte finden sich sonst aber nicht. Nach 1,5h Zustieg und einigem Gewerweisse, fidnen wir schliesslich den plattigen Einstieg, den man über 10m Schnee recht problemlos erreicht. 3 andere Teams sind in Richtung 'Niedermann' unterwegs, in unserem Wandteil sind wir weit und breit allein.

1. SL, ca 5b (ein paar BH) schräg nach links über Platten bis zu einem Schuppensystem. 45m zum Stand des neuen Projektes (hier 2 BH). Originalstand nur ein BH. Schöne Kletterei-

plattige 1. SL

2. SL, 5b. 5m nach rechts zurück in die eigentliche Route. Hier einem stumpfen Riss folgen, bis in eine leichte Verschneidung.

3. SL. 5a, 40m.

4. SL 6a+, 10m entlang eines kleinen Risses über Platte nach oben. Crux ist ein plattiger Move beim Übergang in das linke Risssystem. Der Wasserstreifen macht die Sache nicht leichter, und ich muss mich ein paar mal motivieren, bis ich der Reibung traue. Nun die grosse Riss-Verschneidung (gut absicherbar) ca 6a, nach oben zum Stand am Beginn der eindrücklichen Headwall. Hier beginnt der 120 Riss. 

5. SL 6a+. erst noch an Schuppen rechts der Verschneidung nach oben, dann in den Riss. 

6. SL 6c. Crux Länge. Athletisch über den Überhang nach oben, mit gutem Handklemmer und hoch antreten gehts erstaunlich gut. Super geil. Exponiert und tolle Moves. Nun 10m senkrecht im Riss nach oben (viele Cam Placements) zum ersten Schlüsselmove einem Piaz an einem kleinen erdigen Riss, der aber gut mit einem BH abgesichert ist. Mit der letzten Kraft ziehe ich durch und hänge mich in den vermeintlichen Stand. Leider entpuppt sich die BH-NH Kombination eben doch nicht als Stand und ich fluche nicht schlecht, dass ich mir so den onsight versaut habe. Immerhin kann ich so ein paar Meter wieder runter gehen, um ein paar Cams für die restlichen 10m einsammeln.
Die Crux ist der nun folgende 3m hohe Faustriss, der oben durch ein paar gute Griffe links entschärft wird. Mehrfach setze ich an, im entscheidenden Moment, nur halten aber die Klemmer wegen dem vielen Moos im Riss einfach nicht gescheit. Ich setze einen Cam, hänge mich ins Seil, und putze erstmal den Riss mit dem Nut-tool. Einige Kilo Moos später und mit Hilfe eines Griffes ganz links gehts dann schliesslich. Nun noch 5m in Risskamin zum Stand. Hammerseillänge, die so ziemlich alle Granitttechniken verlangt.
Blick vom Stand nach unten in die 6. SL


7. SL 6b+. Pumpiger Piaz und Handriss, dann lehnt sich die Wand etwas zurück. Stand recht weit links mit Wandbuch. Valery steigt unter viel Fluchen so souverän vor, dass er den Stand völlig übersieht und sich weiter hoch arbeitet.


7. SL. pumpige Risse

 8. SL. 6b+. anhaltende Risskletterei, nicht ganz senkrecht. Crux ist ein 4m offwidth-Riss der am besten gepiazzt wird. Absicherung mit kleinen Cams links vom Haupt-Riss möglich aber sau anstrengend. Mit den letzten cm unserer 50m Seile reicht es ihm zum Stand.


Blick vom letzten Stand in den Riss der Headwall

Abseilen über die unglaublich kompakte Captain Morgan

linker Teil der grauen Wand: Die heisse Linie geht entlang des rieisigen Diagonalrisses durch die Headwall




Facts:
Anhaltende obligatorische Risskletterei durch die logischste Linie der Headwall. Homogener als die Conquest, vom Character mit der Sännetuntschi vergleichbar. Absicherung in den Plattenstellen mit BH, sonst grossteils clean. Komplett und intelligent saniert. Doppel Rack Cams X4 Nr0 - C4 Nr3 nötig.
Einstieg ca 100m links der Conquest auf einem kleinen Band bevor. Die erste SL ist im Topo des Extrem Ost nicht eingezeichnet. Abseilen wie im Extrem Ost Top eingezeichnet über die eindrückliche 'Captain Morgan'
Die Route wird wohl sehr selten begangen. Im Crux Riss der 6c Länge habe ich erstmal 20min das Moos entfernen müssen, damit man den Riss klemmen kann. Das hat leider den Onsight gekostet.

Montag, 15. September 2014

Chli Bielenhorn - IBEX 6c+

Ein Wochenende am Furkapass mit nassem Samstag morgen. Da bietet sich ein später Start von Zürich an, und eine kurze Route am Chli Bielenhorn mir kurzem Zu- und Abstieg. Die Wahl fällt auf die erst 2013 eingerichtete IBEX, in der linken 'Red Rocks' genannten roten Wand.
http://www.filidor.ch/Images/Doc/Red%20Rocks%20Topos.pdf

1. SL 6b+. deftiger Kaltstart. Der erste Move ist eher wohl FB6b oder mindestens 7a. Links muss ein kleiner Seitgriff gegrallt werden, rechts gibt es einen Minitritt, und für die Hand nur eine senkrechte Struktur direkt vor dem Körper, die mit der flachen Hand gedrückt werden muss, um den Körper zu stabilisieren. Dann mit dem linken Fuss auf Schulterhöhe weit aussen antreten, und sich hoch arbeiten. Beide greifen wir schliesslich in die Expressschlinge. Erst beim Ausbouldern nach dem Abseilen gelingt der Move frei. Der Rest der SL ist einfacher. Alles BH, kein Material nötig.

2. SL 6b. an Schuppen etwas unlogisch rechts nach oben. Crux ist ein Aufsteher, vor einem glatten Aufschwung bis man den Griff oben in der Hand hat, Für Leute über 1.80 eher leichter, für kleinere bestimmt richtig hart. BH, keine Cams nötig.

3. SL 6b+. Schöne Kletterei an dünnen Schuppen. Schliesslich ein breiter Diagonalriss, der gehangelt wird. Hier könnte man einen 3-4er Cam platzieren, oder etwas weiter zum BH klettern.

4. SL 6c+ Crux Länge mit 3 schweren Stellen. Erst ein etwas runder Riss, der halb gepiazzt wird, am besten aber links und rechts die Struktur mit benutzen. Zusätzliche Absicherung mit 0.4er und 0.5er Cam angenehm.
Nun nach links an eine grosse Schuppe. 3m Senkrechter Piaz, dann an Untergiffschuppe nach links piazzen. Leider viele Flechten, die bei Gegendruck sehr stören, und mir einen Abflug bescheren.
Zum Schluss ein seltsamer Move auf ein schräges Band, mit einem direkten Dynamo, oder links herum einfacher, dann aber lieber mit cam absichern. Nach rechts über flechtigen Fels zum Stand.

5. SL 6c. Einen runden Riss nach oben. Heftiger Piaz oder aber wesentlich einfacher mit Ausspreizen. Nach links über den Überhang. Nun folgt ein geneigter aber runder und seichter Riss nach oben. Komischerweise stecken hier kaum mehr BH und die Cam Placements sind auch eher fragwürdig.

In Short:
Insgesamt eine OK Route, mit ein paar schwierigen Einzelstellen, Crux ist der erste Move der ersten SL. Route wurde wohl noch nicht oft begangen, und hat allgemein zu viele Flechten und teils splittrigen Fels. Ein reduziertes Rack Cams bis 2 genügt. Ein 4er wie bei Filidor angegeben ist sicher nicht nötig.