Montag, 20. April 2015
Piz Linard Westwand TD-
Donnerstag, 12. März 2015
Fluebrig Chli Sienen Couloir D
Pünktlich zum Wochenende hat der Wind den ganzen schönen Pulverschnee, der unter der Woche fiel, zerstört. Freitag morgen sei es wohl noch kalt und fluffig gewesen in Engelberg, dann kam aber auch noch die Wärme dazu. Die Zielfindung für die samstägliche Skitour gestaltet sich also nicht ganz trivial. Nordhang, tiefer als 2500 wegen Wind, möglichst weit im Norden, und aber auch nicht zu tief unten wegen der Wärme. Freitag gegen 23 Uhr entscheide ich schliesslich auf Fluebrig; der ist wenigstens schön nah und war am Freitag wohl noch unverspurt.
Thomas und ich merken beim morgentlichen 5km Hatsch am Wägitalersee entlang dann auch schnell, warum man diese Tour normal nicht mit dem ÖV macht. Anyway, dann müssen wir halt schneller laufen, was wir dann auch ganz gewaltig tun. Trotz meiner massiv stollenden (Drecks- KOHLA) Felle machen wir 700-800Hm pro Stunde und sind dann auch relativ schnell am Skidepot. Als ich Thomas gerade davon überzeugt habe, dass wir uns die First Line schnappen sollten und auf den Gipfel erstmal verzichten, fahren 2 Leute in meinen schönen Pulverhang. Jetzt beeilen wir uns noch mehr, bevor noch mehr Leute auf die selbe Idee kommen und fahren die oberen 300Hm in ca 30 Sekunden und 10 Kurven runter. Wieder einmal muss ich erkennen, dass die klassischen SAC Bögeli wohl doch einen längeren Genuss und etwa 10 mal soviele Kurven erlauben würden. Aber wir sind ja noch nicht fertig. Wieder anfellen und zurück zum Skidepot. Diesmal klettern wir noch auf den Gipfel und geniessen nun fast allein das Flachlandpanorama.
Unter uns lacht das Chli Sienen Couloir mit seinen immerhin 600Hm, dessen Ausfahrt leider nicht einzusehen ist, und recht steil aussieht. Irgendwann ist da doch mal jemand runter gefahren... Genauer Kartencheck bringt uns auch nicht viel weiter, aber wir wollen es auf einen Versuch ankommen lassen. Hochlaufen kann man immer wieder. Dass mittlerweile auch meine Ski stollen, und die Regenkruste unter dem Pulver spürbar wird, verdirbt mir den Fahrspass etwas, aber das Ambiente wird immer genialer. Eng und steil zieht das Couloir Richtung Sihlsee. Bald geht es nur noch mit Umspringen und Abrutschen weiter. Die letzten 20m können wir immer noch nicht einsehen, und links und rechts sind alles hohe Felsbänder. Jetzt wieder alles hoch wäre doch recht spassfrei. Die Engstelle kommt näher, und ist tatsächlich nur ein ca 3m Drop in einen 45 Grad Hang darunter. Mit Pulver und breiten Ski sicherlich sehr geil, traue ich mich den Sprung hier aber nicht. Steckenbleiben im Pappschnee mit viel Speed ist schlecht fürs Knie. Gottseidank hab wir insgesamt ein Paar Steigeisen dabei und meinen Grivel Pickelstock. So geht die kurze Kletterpartie easy und ich reiche Thomas das Zeug an zusammengebunden Skistöcken hoch. Leider leider stehen unsere Turnschuhe aber nicht am Sihl- sonder am Wägitalersee. Der Schnee ist mittlerweile so klebrig, dass fast gar nix mehr läuft. Was bleibt ist also eine kurze mühsame Abfahrt, ein mühsamer Gegenaufstieg, noch eine mühsame Abfahrt und der Hatsch am See entlang zurück zum Postauto. Trotzdem: Schöne Tour und sehr eindrückliches Couloir, und das alles in Sichtweite von Zürich.
Thomas und ich merken beim morgentlichen 5km Hatsch am Wägitalersee entlang dann auch schnell, warum man diese Tour normal nicht mit dem ÖV macht. Anyway, dann müssen wir halt schneller laufen, was wir dann auch ganz gewaltig tun. Trotz meiner massiv stollenden (Drecks- KOHLA) Felle machen wir 700-800Hm pro Stunde und sind dann auch relativ schnell am Skidepot. Als ich Thomas gerade davon überzeugt habe, dass wir uns die First Line schnappen sollten und auf den Gipfel erstmal verzichten, fahren 2 Leute in meinen schönen Pulverhang. Jetzt beeilen wir uns noch mehr, bevor noch mehr Leute auf die selbe Idee kommen und fahren die oberen 300Hm in ca 30 Sekunden und 10 Kurven runter. Wieder einmal muss ich erkennen, dass die klassischen SAC Bögeli wohl doch einen längeren Genuss und etwa 10 mal soviele Kurven erlauben würden. Aber wir sind ja noch nicht fertig. Wieder anfellen und zurück zum Skidepot. Diesmal klettern wir noch auf den Gipfel und geniessen nun fast allein das Flachlandpanorama.
Unter uns lacht das Chli Sienen Couloir mit seinen immerhin 600Hm, dessen Ausfahrt leider nicht einzusehen ist, und recht steil aussieht. Irgendwann ist da doch mal jemand runter gefahren... Genauer Kartencheck bringt uns auch nicht viel weiter, aber wir wollen es auf einen Versuch ankommen lassen. Hochlaufen kann man immer wieder. Dass mittlerweile auch meine Ski stollen, und die Regenkruste unter dem Pulver spürbar wird, verdirbt mir den Fahrspass etwas, aber das Ambiente wird immer genialer. Eng und steil zieht das Couloir Richtung Sihlsee. Bald geht es nur noch mit Umspringen und Abrutschen weiter. Die letzten 20m können wir immer noch nicht einsehen, und links und rechts sind alles hohe Felsbänder. Jetzt wieder alles hoch wäre doch recht spassfrei. Die Engstelle kommt näher, und ist tatsächlich nur ein ca 3m Drop in einen 45 Grad Hang darunter. Mit Pulver und breiten Ski sicherlich sehr geil, traue ich mich den Sprung hier aber nicht. Steckenbleiben im Pappschnee mit viel Speed ist schlecht fürs Knie. Gottseidank hab wir insgesamt ein Paar Steigeisen dabei und meinen Grivel Pickelstock. So geht die kurze Kletterpartie easy und ich reiche Thomas das Zeug an zusammengebunden Skistöcken hoch. Leider leider stehen unsere Turnschuhe aber nicht am Sihl- sonder am Wägitalersee. Der Schnee ist mittlerweile so klebrig, dass fast gar nix mehr läuft. Was bleibt ist also eine kurze mühsame Abfahrt, ein mühsamer Gegenaufstieg, noch eine mühsame Abfahrt und der Hatsch am See entlang zurück zum Postauto. Trotzdem: Schöne Tour und sehr eindrückliches Couloir, und das alles in Sichtweite von Zürich.
Dienstag, 3. Februar 2015
Japan - Tanigawadake
Nach dem entäuschenden zweiten Tag in Madarao, entschliessen wir uns, noch am
Abend nach Tenjin zu verschieben. Für Thomas und Samuel ein leichtes dank ihres
kleinen Mietautos – für uns dagegen mal wieder eine beschwerliche Reise mit dem
Zug. Besonders schwer wiegt dass wir in Takada in einen früheren Shinkansen Zug
den Super-Toki steigen, welcher unter dem gesamten Gebirge durch einen grossen
Tunnel fährt. Also wieder zurück, leider erwischen wir nun einen noch
schnelleren Super-super-Toki, der bis Tokyo-Omaya gar nicht mehr hält. Wieder
umsteigen, wieder zurück. Mit 3h Verspätung kommen wir dann aber auch
irgendwann an den kleinen Bahnhof, von wo uns Thomas abholt und zur
Freerider-Lodge bringt. Es schneit wieder stark.
Der nächste Tag sollte einer meiner
besten Freeride Tage ever werden.
Alle Gäste der Lodge sind nur für eines
hier: Powder. Die Atmosphäre ist aber sehr entspannt und gemeinsam werden wir
am nächsten Morgen zur Gondel chauffiert. Im Gegensatz zu fast allen Ressorts
auf Honshu ist der Berg in Tenjin an der Baumgrenze nicht fertig sondern geht
erst richtig los. Der Tanigawadake ist etwa 600Hm höher als der Toplift, und
über einen langen Rücken im Aufstieg zu erreichen. Mehrere Gruppen Japaner sind
auf dem Weg dorthin. Ohne Ski dafür mit riesigen Rucksäcken und Steigeisen.
Gemeinsam mit Dan aus England und Jesper aus Schweden machen wir uns auch auf
nach oben. Grossteils folgen wir der Spur der Bergsteiger und tragen die Ski
auf dem Rucksack. Nach 10min kehrt Curly um, weil er vor der Abfahrt zu viel
Respekt hat, wir gehen weiter. Rechts des Rückens bieten sich grosse offene
Faces der Südflanke für Bigmountain Lines an, aber Jesper, der den Winter hier
verbringt, bedeutet uns noch zu warten und weiter zu gehen. Am Vorgipfel öffnet
sich erstmals der Blick in die noch wildere Ostflanke. Unverspurt und riesig.
Die anderen wollen noch zum Hauptgipfel aber ich habe keine Geduld mehr.
Während mich Thomas und Jesper vom Vorgipfel beobachten, steche ich in den
Hang. Die nächsten 700Hm sind ein einziger Pulvertraum. Kontinuierlich zwischen
30 und 35°, dazu 50cm Powder. Keine Spur weit und breit und dazu breite Ski.
Perfekt. Ich fahre alles am Stück bis die Beine fast explodieren. Wahnsinn.

Ziemlich lange muss ich warten bis die anderen kommen, alle mit einem Riesengrinsen. Wir traversieren zur Gondel zurück und fahren wieder hoch. Während die anderen gleich nochmal hoch wollen, warte ich auf Curly und mache mit ihm ein paar Runs unter der Gondel. Weniger spektakulär aber auch in unverpurtem Superpowder.

Ziemlich lange muss ich warten bis die anderen kommen, alle mit einem Riesengrinsen. Wir traversieren zur Gondel zurück und fahren wieder hoch. Während die anderen gleich nochmal hoch wollen, warte ich auf Curly und mache mit ihm ein paar Runs unter der Gondel. Weniger spektakulär aber auch in unverpurtem Superpowder.
Es ist mittlerweile 3 Uhr und ich überrede Curly seinen letzten Tag doch noch mit einer unvergleichlichen Abfahrt zu krönen. Gemeinsam gehen wir also nochmal Richtung Gipfel. Kurz vor dem Gipfel holen uns Thomas und Samuel ein, bereits auf ihrer dritten Runde. Gemeinsam gehen wir zur Abbruchkante der Ostwand.
Curly nimmt die Line, die ich am Morgen gefahren bin, welche mittlerweile aber fast 10 Spuren hat. Thomas und Samuel haben sich ein steiles Spine ausgesucht, welches sie beim zweiten Run ausgecheckt hatten. Ich nehme noch ein Spine weiter rechts. Was folgt ist die vielleicht beste Abfahrt meiner Skikarriere, eine Line wie man sie sonst nur aus Alaska-Skivideos kennt. Auf dem Spine geht es nach unten, 45° mit kurzen stücken ein bisschen steiler. Das Ganze in 1m tiefen Champagne Powder!! Links und rechts rauscht der Sluff in tiefeingeschnittenen Couloirs, aber solange man auf dem Spine fährt kein Problem. Ich sehe Thomas und Samuel 50m weiter links in einer ähnlich exponierten Line. Wir fotografieren uns gegenseitig. Nach einer Weile bricht mein Spine in grossen Cliffs ab, dafür sieht man unten den Ausgang des Couloirs. Unten, ganz tief unten irgendwo sehe ich Curly warten. Ich mache zwei vorsichtige Schwünge und fahre dann die letzten 100Hm des Couloirs fast Stright-Line um vor dem Sluff zu bleiben. Ich schreie vor lauter Stoke. Rechts noch einen Drop mitnehmen, dann noch 2 grosse Full-Speed Turns. Kurz darauf hört man zwei weitere Freudenschreie und Thomas und Samuel kommen angerast. Keiner von uns kann richtig fassen was gerade passiert ist. Aber alle drei sind wir uns einig. Das war the Line of our Life.
Der Stoke hält mehr oder weniger den
ganzen Abend an. Immer wieder erzählen wir von der Abfahrt, vergleichen Fotos.
Curly macht sich am nächsten Tag auf nach Tokyo um noch zwei Meetings
mitzunehmen, bevor wir uns zum Rückflug treffen. Ich hoffe auf noch einen
solchen Tag und mache mich wieder mit Thomas, Samuel und Jesper zum
Tanigawadake auf. Ich plädiere dafür, noch einmal ein solches Spine zu fahren,
doch die anderen wollen die Rückseite des Berges erkunden. Mühsam traversieren
wir also mit aufgebundenen Ski die 3 Gipfel des Berges, nur umzusehen, dass es
auf der Rückseite doch tatsächlich ein paar Spuren gibt. Heliskier? Die Abfahrt
ist Ok aber nicht besonders. 20cm Pulver, eher flach, und deshalb auch viel zu
schnell vorbei. Dafür aber umso mehr Schieben um zur Gondel zurückzukommen.


Vergeblich versuche ich die anderen zu überreden nochmal mit hoch zu kommen. Schliesslich nehme ich die Gondel allein, begnüge mich aber mit 3 Runs im Ressort, die immer noch erstaunlich viel Powder haben, und nochmal einige letzte Faceshots bereithalten. Dann lasse auch ich es gut sein. Danke Japan.
Vergeblich versuche ich die anderen zu überreden nochmal mit hoch zu kommen. Schliesslich nehme ich die Gondel allein, begnüge mich aber mit 3 Runs im Ressort, die immer noch erstaunlich viel Powder haben, und nochmal einige letzte Faceshots bereithalten. Dann lasse auch ich es gut sein. Danke Japan.
Montag, 2. Februar 2015
Japan - Hakkoda, Charmant, Madarao
Von Aomori nehmen wir früh am nächsten
Morgen den Bus zu unserem eigentlichen Ziel, dem Mount Hakkoda. Eine isoliert
stehende Vulkangruppe, die wegen der Nähe zum Meer Unmengen von Schnee bekommen
soll – anscheinend ein Geheimtipp. Wir checken für 3 Nächte im Hotel neben der
Gondel ein, und machen uns bereit. Hier geht alles ein bisschen anders zu. Es
gibt nur eine Gondel und man kauft Einzelfahrten und kein Tagesticket. Viele
Touristen haben nicht mal Ski dabei, und man sieht Japaner mit riesigen
Schwalbenschwanz Snowboards. Niemand hat es eilig. So ähnlich muss es vor 20
Jahren in La Grave gewesen sein – bevor der Freeride Boom einsetzte. An der
Bergstation gibt es eine spektakuläre Aussicht auf den Pazifik. Die Bäume sind
durch Wind und Schnee zu bizarren weissen Skulpturen deformiert. Man kann sich
vorstellen wie es hier bei Schneesturm abgehen muss.




Leider ist die Schneequalität entsprechend. Im oberen Steilen Teil des Bergs gibt einen harten unebenen Wind-Deckel, mit breiten Ski kaum fahrbar. Im unteren bewaldeten Teil gibt’s zwar noch 20cm Pulver, dafür ist es so flach, dass man eigentlich kaum mehr fahren kann. Verzweiflung macht sich breit… was sollen wir hier 3 Tage lang machen? In den folgenden 3 Tagen versuchen wir verschiedenste Runs auf allen Seiten des Berges, keiner davon wirklich lohnend. Während die geführten Gruppen sich nachher auf der Ringstrasse abholen lassen, stehen für uns ewig lange Traversen im flachen Wald an. Ausserdem zeigt sich mal wieder, dass man bezüglich Conditions einfach niemandem trauen kann, dessen Niveau und Ansprüche man nicht kennt. Fragt man die Amerikaner in der Lodge, wie ihr Tag war, berichten sie von 'awesome untracked powder runs' ... erst auf genaue Nachfrage findet man heraus, dass es sich um Gelände der Steilheit 0-10° handelt.
Immerhin ist das abendliche Onzen – Gemeinschaftsbadebecken statt Duschen – ein kulturelles Erlebnis. Aber wir verbringen den Grossteil der Zeit damit unseren Nächsten Schritt zu planen und Snow-Forecasts anzusehen. Weiter nach Hokkaido? Dort ist es auch überall zu flach und es schneit einfach nicht genug. Zurück nach Myoko? – auch Langweilig. Aus irgendeinem Grund versteift sich Curly auf das Ressort Charmant, nahe Myoko aber noch näher am Meer. Wenn es irgendwo schneit, dann doch dort. Wir machen uns also wieder auf die lange lange Reise nach Süden – diesmal fast 8h.
Leider ist die Schneequalität entsprechend. Im oberen Steilen Teil des Bergs gibt einen harten unebenen Wind-Deckel, mit breiten Ski kaum fahrbar. Im unteren bewaldeten Teil gibt’s zwar noch 20cm Pulver, dafür ist es so flach, dass man eigentlich kaum mehr fahren kann. Verzweiflung macht sich breit… was sollen wir hier 3 Tage lang machen? In den folgenden 3 Tagen versuchen wir verschiedenste Runs auf allen Seiten des Berges, keiner davon wirklich lohnend. Während die geführten Gruppen sich nachher auf der Ringstrasse abholen lassen, stehen für uns ewig lange Traversen im flachen Wald an. Ausserdem zeigt sich mal wieder, dass man bezüglich Conditions einfach niemandem trauen kann, dessen Niveau und Ansprüche man nicht kennt. Fragt man die Amerikaner in der Lodge, wie ihr Tag war, berichten sie von 'awesome untracked powder runs' ... erst auf genaue Nachfrage findet man heraus, dass es sich um Gelände der Steilheit 0-10° handelt.
Immerhin ist das abendliche Onzen – Gemeinschaftsbadebecken statt Duschen – ein kulturelles Erlebnis. Aber wir verbringen den Grossteil der Zeit damit unseren Nächsten Schritt zu planen und Snow-Forecasts anzusehen. Weiter nach Hokkaido? Dort ist es auch überall zu flach und es schneit einfach nicht genug. Zurück nach Myoko? – auch Langweilig. Aus irgendeinem Grund versteift sich Curly auf das Ressort Charmant, nahe Myoko aber noch näher am Meer. Wenn es irgendwo schneit, dann doch dort. Wir machen uns also wieder auf die lange lange Reise nach Süden – diesmal fast 8h.
Um 11 Uhr abends kommen wir Hunde müde
in der Küstenstadt XYZ an. Keine Ahnung wo unser Hotel ist, kein Taxi weit und
breit. Kann uns jemand helfen? Japaner sind eigentlich nur dann kommunikativ
und hilfsbereit wenn sie angetrunken sind. Zum Glück sind zwei von dieser Sorte
mit uns zusammen ausgestiegen. Sie kommen zu uns und versuchen mit minimalsten
Englisch Kenntnissen eine Konversation anzufangen. Wir erklären dass wir ein
Taxi oder ein anderes Hotel brauchen. Grosse Diskussion. Gegenüber gibt es eins
und die beiden gehen mit Curly hinein und buchen uns ein Zimmer. Dafür sollen
wir aber nun mit ihnen trinken gehen. Wir folgen ihnen in einen Hinterhof zu
einer unscheinbaren Tür. Innen ist einiges los, und an jedem Tisch sitzt
mindestens eine junge Frau mit verdammt kurzem Rock. Was ist das hier? Die
beiden bestellen Getränke und wollen mit uns trinken. Curly erwartet schon
KO-Tropfen und versucht sich rauszureden. Eine der Ladies setzt sich zu uns an
den Tisch und schenkt uns immer wieder ein. Wir versuchen mit unseren
Gastgebern zu radebrechen. Einer scheint immerhin ein Skifahrer zu sein. Wir
werfen also die Namen von japanischen Skiressorts in den Raum und ernten jedes
Mal ein Ohhhh. Myoko – ohhhh. Hakkoda – ohhhhh. Immerhin ein bisschen
Konversation. Die Lady an unserem Tisch – die wohl tatsächlich nur zur
Unterhaltung da ist - packt irgendwann ihr Smartphone aus und spricht hinein.
Ein App übersetzt das Gesagte und zeigt es auf Englisch an. Auch andersrum
funktioniert es und wir können uns so immerhin einen schönen Tag wünschen.
Irgendwann machen wir verständlich dass wir schlafen müssen und verabschieden
uns.
Am nächsten Tag geht es sehr früh
morgens mit dem Zug an der Küste entlang. Irgendwo habe ich im Internet einen
Busfahrplan auf Japanisch gefunden, ihn mit Google Translator übersetzt und
fotografiert. Anscheinend soll es von hier einen Bus nach Charmant geben.
Zunächst stehen wir aber mal wieder recht verloren in der Gegend rum. Reichlich
deplatziert mit Lawinenrucksack und Ski. All Schilder sind auf Japanisch, kein
Mensch weit und breit, geschweige denn Schnee. Irgendwann kommen zwei Schüler
mit Snowboards und stellen sich auf die andere Strassenseite. Ein gutes
Zeichen. Ein noch besseres Zeichen ist das Geräusch von Schneeketten, als dann
tatsächlich der Bus kommt. In einer Stunde geht’s in die Berge und wieder
wächst der Schnee mit jeder Minute an.
Charmant entpuppt sich als
übersichtliches aber recht modernes Ressort mit leider nur 400Hm Differenz. Es
gibt eine kleine Gruppe Amerikaner, ansonsten aber nur jugendliche
Snowboard-Locals. Es hat wohl kürzlich geschneit aber die Abfahrten unter dem
Lift sind von den Snowboardern recht zerpflügt. Wir laufen Richtung
Sidecountry-Gate als uns ein Neuseeländischer Guide anspricht. Wir müssten uns
zuerst bei der Skipatrol registrieren und dürften ausserdem nicht einfach
runterfahren, da uns sonst unerfahrene Snowboarder folgen könnten. Immer zuerst
ein bisschen hochfellen. Wir registrieren uns also und gehen durch das Gate.
Ein unverspurtes Tälchen lacht uns an und ohne zuerst aufzusteigen holen wir
uns eine erste nette Powderabfahrt. Nicht schlecht, denken wir uns und machen
noch ein paar. Irgendwann treffen wir auf eine geführte Gruppe Japaner, deren
Guide uns auf Japanisch mehrere Minuten lang anschreit. Wir verstehen gar nix
und schätzen mal, dass er nicht will dass wir im sidecountry fahren. Wo ist
denn das Problem? Wir machen also den gleichen Run wieder, dieses Mal kommt im
Lift eine Durchsage auf Englisch, dass man nicht ausserhalb des Ressorts fahren
solle. Die scheinen es wirklich ernst zu meinen. Der guten internationalen
Beziehungen wegen beschliessen wir also unseren SidecountryTag und machen noch
einen halbstündigen Aufstieg auf einen kleinen Gipfel mit Meerblick. Ein
gelungener Tag. Speziell nach den 3 Tagen in Hakkoda.
Ein weitere lange, abendliche Reise –
in Stunden nicht in Luftlinie – bringt uns nach Madarao, wo wir in der Pension
Alpenrose einchecken. Der Sohn der Familie spricht sehr gut englisch und kennt
das Ressort sehr gut, so dass wir gleich die richtigen Tipps bekommen. Das
Familienoberhaupt –ein richtiger Sensai – kümmert sich liebevoll um uns, bringt
uns Essen und Getränke, und versucht immer wieder eine Konversation anzufangen
obwohl er kaum Englisch kann. Leider gibt’s keinen Neuschnee, so dass der erste
Tag in Madarao zum vergessen ist. Wir versuchen eine Abfahrt und bleiben in dem
schweren Schnee fast stecken. Doch dann beginnt es endlich zuschneien. Immerhin
20cm über Nacht auf dem Balkon. Wir gehen ins Ressort. Der Einer-Sessel-Toplift
eröffnet einigermassen steiles Treeski Terrain, leider sind die 20cm Neuschnee
halt nicht wirklich genug, um ein richtiges Powdergefühl zu geben. Wir
versuchens mal um die Ecke im Sidecountry und werden plötzlich mit einer 35°
steilen Tree-line in 40cm Powder belohnt. Sehr geil. Geht doch, wer sucht der
findet. Wir machen die Tour nochmal und nochmal, immer ein bisschen weiter
rechts. Dabei geben wir uns Mühe, dass uns am Lift niemand sieht und folgt.
Keep the Secret. Nach 7 Runs lassen wir es gut sein für den Tag. Es schneit
wieder intensiv und wir freuen uns auf den nächsten Tag. Nächster Morgen,
selbes Spiel –denken wir zumindest. Als wir gerade um unsere geheime Ecke gehen
wollen, sehen wir vor uns eine 10er Gruppe Westler. Shit. Diese Jungs verspuren
mit einem Run so viel Powder wie wir an einem ganzen Nachmittag. An der
Talstation treffen wir uns mit Samuel und Thomas, die extra für den Tag nach
Madarao gekommen sind. Wir kündigen schon mal an, dass es heute ziemlich
schnell verspurt sein würde, und machen den ersten Run mit Ihnen. Die Zahl der
Spuren hat sich in der Zwischenzeit vervielfacht, und es ist wärmer geworden,
so dass der Schnee schon deutlich schwerer ist. Die Begeisterung der zwei hält
sich in Grenzen. Nun zeigt sich, dass Madarao nur gut zum Powdern ist, solange
man den Wald für sich alleine hat. Eine einzige grosse Gruppe, und das wars.



Sonntag, 1. Februar 2015
Japan - Myoko
Nachdem Curly und ich bestimmt 3 Jahre
darüber gesprochen haben, irgendwann einmal nach Japan zum Skifahren zu gehen,
sitzen wir doch eines Donnerstags Abends tatsächlich im Flugzeug nach Tokyo.
Die Vorfreude ist enorm und der Schneesturm bei der Zwischenlandung in Paris
stimmt uns schon mal auf die Unmengen an Powder ein, die wir erwarten.
Unseren riesigen Skibags scheint es in
Paris gleich so gut zu gefallen, dass sie den Weiterflug nach Tokyo verpassen.
Ziemlich bedröppelt stehen wir also 12h später am dortigen Bagagge-claim. Gleich
drei zierliche Japanerinnen kümmern sich unter grossem Kichern um uns, und
versuchen herauszufinden wo die Airline die Ski hinbringen soll. Die Tatsache, dass
wir eine Rundreise mit nächtlich wechselnden Hotels gebucht haben, scheint sie
dann doch sehr herauszufordern, und das Kichern wird immer stärker. Ob es wohl breite
Leih-Ski gibt in Japan? Schliesslich erklären wir uns bereit, die Ski am
nächsten Tag eigenhändig am Flughafen abzuholen, um das Risiko zu minimieren.
Wir verbringen die Nacht und den
nächsten Vormittag in Yokohoma mit schlafen, sight-seeing und ziemlich viel
U-Bahn fahren. Es ist kalt und sonnig und die Aussicht vom höchsten
Wolkenkratzer auf das Häusermeer von Tokyo-Yokohama ist gigantisch. Und über
allem thront der majestätische Fuji. Am frühen Nachmittag dann zurück zum
Airport, wo doch tatsächlich unsere Ski auf uns warten. Jetzt kanns losgehen,
nächstes Ziel: Myoko.
Zuerst geht’s mit dem Shinkansen nach
Nagano, wo wir in einen Regionalzug umsteigen. Als dieser einfährt, schlagen
wir zum ersten Mal ein: Die Lokomotive ist so mit Schnee zugeklebt, dass man
sie fast nicht erkennt. Bald verstehen wir auch warum. Auf der einstündigen
Fahrt Richtung Japanisches Meer wächst der Schneeberg links und rechts der
Gleise mit jedem Kilometer, den wir nach Westen fahren. Als wir in Myoko
Station austeigen, sind es schon mal gute 1.5m Schnee – auf 500m Meereshöhe!
Ein freundlicher Australier fährt uns vom Bahnhof zum etwas höher gelegenen
Skiort. 2.5 m Schnee auf 700m! Wir checken erst mal den Skikeller unserer
Pension, um die Competition einzuschätzen. Unsere Ski sind zwar die breitesten,
aber etwas Wettbewerb gibt’s schon.
Nach etwa einem Kilo Reis zum Frühstück
am nächsten Tag machen wir uns fertig und laufen zum Lift. Dort macht sich dann
ziemlich schnell Ernüchterung breit. 100m Schlange, mindestens 50% Westler, und
fast alle inklusive den Japanern mit verdammt breiten Ski und Snowboards. Da
fliegt man um die halbe Welt, und es geht zu wie in Engelberg. Hilft nix, jetzt
sind wir hier. Mit einer komischen eierförmigen Kleingondel geht’s nach oben
und weiter mit einem Vierersessel. Raus aus dem Sessel und los geht’s, ab in
unseren ersten J-Pow. Das Terrain ist nicht wirklich steil mit relativ
dichtstehenden Laubbäumen. Schnee gibt’s ohne Ende. Nach nicht mal 10 Sekunden
habe ich Curly schon verloren - worauf
ich aber jetzt keine Rücksicht nehmen kann. Überall zwischen den Bäumen sieht
man bunte Punkte von Freeridern. Mit meinen breiten Born-to-Drops ist es nicht
wirklich schwierig. Einfach geradeaus, und ja keinen Baum erwischen. Schon viel
zu bald kommt ein kleines Tal und ich quere zurück zum Lift. Curly kommt ein
paar Minuten später. Wir machen den gleichen Run mit Variationen noch ein paar
Mal, bis wir konsterniert feststellen müssen, dass es nun doch schon recht verspurt
ist – und es ist nicht mal 10 Uhr. Wir schauen uns an: Spassiges Treeskiing -
ja. Der Oberhammer – nicht wirklich. Und schneller verspurt als in den
schlimmsten In-Resorts der Alpen.
Wir probieren ein paar andere Lifte aus
bis wir schliesslich einen finden, unter dem das Terrain deutlich steiler ist.
Wir ducken uns unter dem Absperrband durch, und fahren einer Spur nach auf
einem flachen dicht bewaldeten Rücken entlang, bis dieser nach allen Seiten in
steilen Hängen abbricht. Vor uns liegt das Paradies: ein Hang – nur 100Hm, aber
45° steil, mit riesigen Pillows und sogar kleinen Spines. Und keine einzige
Spur weit und breit.

Ich droppe als erstes hinein. Es ist der Wahnsinn. Der Schnee ist so tief, dass er mir nach jedem Sprung bis über den Kopf geht. Nur dank der Steilheit und der breiten Ski geht es immer weiter. Der Schnee ist unglaublich fluffig und hält. Keine Anzeichen von Schneebrettern – nur Unmengen Sluff. Ein tief eingeschnittenes Tal führt zurück zur Piste. Ich bin so gestoked wie noch nie zu vor. Wie geil war das denn. Curly kommt, auch er mit einem Ausdruck von 'Ich-kann-nicht-glauben-wie geil-das gerade-war' in den Augen. Zurück zum Lift, wieder hoch, gleicher Run nochmal und nochmal und nochmal. Jedes Mal eine kleine Variation, jedes Mal eine neue Line. Wir sind fast komplett alleine. Wo sind denn all die Freerider hin? Nach 8 Runs meint Curly er wolle sich wegen seiner Erkältung schonen und zurück in die Pension gehen. Bitte? Vergeblich versuche ich ihn zu überreden. Dann halt alleine weiter. Am Ende des Tages bin ich den Run 25 Mal gefahren. Eine Line besser als die andere. Besonders in Erinnerung bleiben diese: eine Pillowline mit 4 jeweils 2m hohen Pillows in 45° Gelände. Mut zusprechen, Skier gerade stellen und los … hop, hop, hop, hop. Und natürlich die Drops über die Lawinengitter, die nicht nur komplett mit Schnee gefüllt, sondern auch noch 1m überwächtet sind. Mit ein bisschen Speed gibt das einen respektablen Drop von 6-7m. Beim Bier am Abend habe ich immer noch nicht aufgehört zu grinsen – einer der Top5 Tage meiner Skikarriere
.
Ich droppe als erstes hinein. Es ist der Wahnsinn. Der Schnee ist so tief, dass er mir nach jedem Sprung bis über den Kopf geht. Nur dank der Steilheit und der breiten Ski geht es immer weiter. Der Schnee ist unglaublich fluffig und hält. Keine Anzeichen von Schneebrettern – nur Unmengen Sluff. Ein tief eingeschnittenes Tal führt zurück zur Piste. Ich bin so gestoked wie noch nie zu vor. Wie geil war das denn. Curly kommt, auch er mit einem Ausdruck von 'Ich-kann-nicht-glauben-wie geil-das gerade-war' in den Augen. Zurück zum Lift, wieder hoch, gleicher Run nochmal und nochmal und nochmal. Jedes Mal eine kleine Variation, jedes Mal eine neue Line. Wir sind fast komplett alleine. Wo sind denn all die Freerider hin? Nach 8 Runs meint Curly er wolle sich wegen seiner Erkältung schonen und zurück in die Pension gehen. Bitte? Vergeblich versuche ich ihn zu überreden. Dann halt alleine weiter. Am Ende des Tages bin ich den Run 25 Mal gefahren. Eine Line besser als die andere. Besonders in Erinnerung bleiben diese: eine Pillowline mit 4 jeweils 2m hohen Pillows in 45° Gelände. Mut zusprechen, Skier gerade stellen und los … hop, hop, hop, hop. Und natürlich die Drops über die Lawinengitter, die nicht nur komplett mit Schnee gefüllt, sondern auch noch 1m überwächtet sind. Mit ein bisschen Speed gibt das einen respektablen Drop von 6-7m. Beim Bier am Abend habe ich immer noch nicht aufgehört zu grinsen – einer der Top5 Tage meiner Skikarriere
.
Die Nacht bringt nur 20cm Neuschnee, und wie zu erwarten habe ich meinen gestrigen Run so zerfahren, dass er sich nicht mehr lohnt. Zum Glück haben wir uns eine Karte mit Höhenlinien besorgt, und zusammen mit Google Earth herausgefunden wo die steilsten Stellen im Sidecountry sind. Wir traversieren an den rechten Rand des Ressorts und stehen wieder vor einem respektablen Steilhang mit einigen Cliffs. Die Sicht ist nicht ganz perfekt und ich rutsche eine enge Ringe erstmal seitlich ab. Dann öffnet sich das Terrain. Ein kaum bewaldetes Tal mit schönen 30° Hängen und keine Spur weit und breit. Wir lassens krachen und cruisen in big-turns nach unten bis wir an eine Strasse kommen, auf welcher wir zurück Richtung Ressort traversieren. Irgendwann kommen ein paar andere Spuren dazu und wir treffen zwei andere Freerider, die statt Lawinen-Airbags Walkie-Talkies und Trillerpfeifen haben – macht eigentlich Sinn beim Treeskiing.
Dann verschwindet die Spur plötzlich in einem Tunnel. Der Eingang ist noch leicht, der Ausgang nach 100m aber komplett mit Schnee gefüllt. Nur ein schmaler Tunnel – gerade breit genug für eine Person- führt fast senkrecht etwa 2 Meter nach oben ans Licht. Curly kämpft sich hoch, ich reiche ihm die Ski nach, dann komme ich nach. Wiedermal ein Beweis dass Japan einfach viel mehr Schnee hat. Mittags treffen wir uns mit Samuel und Thomas, zwei Schweizer Kollegen, die im benachbarten Hakuba vor den Massen geflohen sind. Mit ihnen machen wir den Tunnel-Run noch mehrere Male, was wegen des beschwerlichen Rückwegs aber immer seine Zeit braucht.
Am dritten Tag scheint zum ersten mal
die Sonne. Neuschnee hats keinen. Zusammen mit Samuel und Tomas montieren wir
also die Felle und gehen vom höchsten Punkt des Ressorts etwa 400Hm zu einem
Vorgipfel des Mount Myoko. Unterwegs überholen wir bestimmt 50 Leute, die teils
Bootpacken oder aber zum ersten Mal auf einer Skitour zu sein scheinen. Während
alle entlang der Aufstiegsspur zurückfahren, droppen wir auf der anderen Seite
in den Wald. Ein 1000Hm Run durch unverspurten Wald bringt uns links des
Ressorts nach unten, bis wir zurück traversieren können. Keine Wow-Abfahrt aber
doch sehr cooles Treeskiing. So muss man es machen in Japan. Ein bisschen
off-the-beaten track und man ist komplett allein. Wir machen die Tour gleich
nochmal, dann müssen Curl yund ich zurück zur Pension – packen. Für den Abend
haben wir eine lange Weiterreise vorgesehen: über Nagano und Tokyo in 6h nach
Aomori an die Nordspitze der japanischen Hauptinsel Honshu.


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