Mittwoch, 8. Februar 2017

Averstal - Rotes Vergissmeinnicht WI4+

Blick von Ausserferrera auf die Eisfälle.
 
 
In der Zustiegsrinne



Am Einstieg. Links das linke Vergissmeinnicht, je nach Linie WI4 - WI5

Freitag, 20. Januar 2017

Montag, 22. August 2016

Gondoschlucht - Mister Magoo 7a

Endlich einmal eine Route in der imposanten Gondoschlucht. Trotz August und Sonne pur plädiert Javi gegen eine Route in der schattigen Nordwand. Diese Südländer. Wir entscheiden uns deshalb für Mister Magoo -7a, an der südorientierten Sentinella Wand oberhalb Gondo Dorf, eine Route über deren perfekten Handriss mir Huwi schon vor gefühlten 10 Jahren vorgeschwärmt hatte. Nach nur 10min Zustieg stehen wir unter der Wand, welche mit Dächern und Bändern gespickt fast senkrecht nach oben zieht.
1.SL 6b - 40 Meter bestehend aus mehreren boulderigen Aufschwüngen mit schmalen Absätzen dazwischen. Erste schwierige Stelle in der Mitte wo nach 3m Piazz erst ein Cam gelegt und dann nach rechts traversiert werden muss. Die tatsächliche Schlüsselstelle kommt aber kurz vor Schluss. Ein weiterer senkrechter Aufschwung bietet oben nur Sloper und ich bin extrem nah am Aufgeben bevor ich endlich das Quarzloch im Sloper entdecke und hochmanteln kann.
2.SL 6b - 15m überhängende Rissverschneidung in deren Grund es sich aber hervorragend Jammen lässt. Dann etwas geneigteres Gelände bis es wieder kurz vor Schluss einen tricky Mantle Move gibt an dem man wegen dem Band darunter  besser nicht stürzen sollte.
3. SL 6c - auf einer Platte geht es nach links an einen Überhang. Aufstehen an zwei kleinen Griffen geht noch ganz gut aber schon beim Klippen des Bolts dreht es mich fast raus. Richtig schwer wirds aber erst jetzt. Rechts auf Schulterhöhe voll blockieren, mit dem linken Fuß weit links oben antreten und das Gewicht soweit über den Fuß schieben bis man irgendwann einen guten Seitgriff mit der linken Hand zu fassen bekommt, sich hochziehen und schliesslich die Füße sortieren kann. Schon jetzt pumpt es gewaltig aber man könnte von dem Seitgriff eigentlich gut klippen. Leider ist der Bohrhaken 30cm zu hoch und ich komme nicht ran. Der nächste Move ist bedeutend wackliger und führt nur zu einem Sloper. Ich kralle mich dran, kämpfe um den onsight, will klippen, bekomme aber in diesem Moment wegen all dem Geraffel am Gurt keine Expressschlinge sonder einen Cam in die Hand, muss diesen wieder zurück hängen und eine Expresse nehmen und diese klippen…. und greife schliesslich entkräftet in die Schlinge um das Seil einzuhängen. Schade. Wäre der Bohhaken doch nur ein klein wenig weiter unten gewesen…
4. SL 6a - Die erste Easy Länge.
5. SL 6b - Wow. Da ist er nun der berühmte Handriss. Schon die Aussicht vom Stand ist fett. Nach einer kurzen Traverse zieht eine Riesen -Schuppe 20 Meter fast senkrecht nach oben. Nach links mit scharfer gezackter Kante und eben dem Riss in perfekter Handbreite. So in etwa muss die Pancake-Flake an der Nose sein. Die Schuppe klettert sich unglaublich geil - allerdings aber gerade wegen ihrer scharfen Kante eigentlich wesentlich besser als Piaz als als Handriss, da immer wieder Ruhepositionen kommen und die Kante sich überall perfekt greifen lässt. Mal beide Füße rechts der Kante, mal einen links und einen im Riss, mal beide Hände in Piazz Stellung, mal mit der rechten Stützen und ab und zu ein Jam um einen Cam zu legen. Es ist viel zu schnell vorbei. In weniger als 2 Minuten bin ich oben. Wie ein Kind auf dem Spielplatz habe ich ausgesehen meint Javi nachher. Zum Schluss dann noch der obligatorische expo Mantle mit Band drunter zum Stand. Trotzdem. Eine der geilsten Seillängen ever.
6. SL 6b - eigentlich nur eine kurze Einzelstelle an einer Steilplatte. Die hat es aber gewaltig in sich und ich bin froh als bekennender Plattenhasser nicht vorsteigen zu müssen.
7. SL 7a - wieder eine Hammerlänge, die entfernt an die Nose erinnert (obwohl ich diese natürlich nur von Bildern kenne), diesmal als Miniaturausgabe des Great Roof. Zuerst gehts atlethisch ein paar Meter nach oben unter ein erstes horizontales Dach in dessen Winkel es einen Fingerriss gibt. Auf Gegendruck traversiert man unter diesem 2 Meter nach links wo das Dach wie eine umgekehrte Treppe kurz zu einer senkrechter Verschneidung wird bevor es 2 Meter weiter oben wiederum zum Dach wird. Der erste Dach Abschnitt bietet noch einen Tritt für den Start ganz rechts und einen ganz links um das senkrechte Zwischenstück zu beginnen. Wie immer in einer 7a glaube ich von vornherein nicht an den Onsight und erlaube mir einen kurzen Hänger an dieser Stelle. Mit etwas mehr Kraftausdauer wäre es aber wohl gegangen. Der zweite Teil ist noch ein bisschen schwieriger da komplett trittlos. Ein paar kräftige Piazzmoves am senkrechten Fingerriss, dann in den Riss unter dem Dach greifen und die Füsse verdammt weit hochstellen, um überhaupt Gegendruck aufbauen zu können. Dann ein paar seitliche Moves unter dem Dach mit viel Körperspannung bis man irgendwann die nächste Ecke der umgekehrten Treppe in der Hand hat und sich schliesslich in einen guten Handjam rettet. Dann atlethisch aber leicht zum Stand. Sehr sehr fett.
Wir seilen drei mal gestreckte 60m über die Route ab und bewundern noch einmal die Kletterstellen. Was für eine geile Route. Der schwarze Fels im unteren Teil ist mittlerweile kochend heiss. Uns ists egal, schliesslich lockt ein kühles Bier nur 5 Minuten Abstieg entfernt.

Sonntag, 17. Juli 2016

Sciora di Fuori - Diretta Integrale 6c

ScioraGruppe. Die Fuori Kante etwas links der Bildmitte links des hellen Ausbruchs

Mitte Juli, lange Tage, Vollmond und dazu stabiles warmes Wetter. Zeit für die ganz grossen Projekte. Leider schneits unter der Woche bis weit runter und noch mehr leider, finde ich niemanden, der Sonntag und Montag Zeit hat. Schliesslich einige ich mich mit Valery auf einen einundhalbtäger im Bergell. Ziel: die Fuorikante Integral an der Sciora die Fuori. Ein Pause Extrem Klassiker mit 24 Seillängen bis 6c.
Nach 3h Fahrt kommen wir gerade noch rechtzeitig im Bondascatal an, um im letzten Tageslicht einen Blick auf die Scioragruppe zu werfen. Der verbiebene Neuschnee hält sich in Grenzen und wir bereiten das Freibiwak für eine viel zu kurze Nacht. Um zehn nach drei (!) gehts am nächsten Morgen los. Der Weg ist ordentlich steil so dass wir die 800Hm zur Sciorahütte in nur 1h20 hinter uns bringen. Noch keiner wach, aber Wasser und Toiletten gibts. Weglos und durch das grosse Geröll eher mühsam gehts weiter Richtung Kante. Im kurzen aber steilen Schneefeld vor dem Einstieg sind wir froh die Leichtsteigeisen dabei zu haben. Um 6 beginnen wir mit der Kletterei. Das erste Drittel ist fast plaisirmässig ausgebaut und mit maximal 5b auch nicht besinders schwierig. Wir klettern am laufenden Seil mit T-Blocs und bringen die nominal 7 Seillängen in einer Stunde hinter uns. Etwas Blockgelände und eine plattige 5c bringen uns an den Beginn der grossen Verschneidung, welche sich als klassisch schwerer 5er entpuppt und doch etwas Anstrengung kostet.
Es ist ziemlich kalt, die sonne verfehlt uns an unserer Nordwestkante natürlich auch und für einen laut Meteoforecast windstillen Tag, pfeift es uns ganz schön um die Ohren. Je höher wir kommen desto kälter und tauber werden Hände und Füsse. Zum Problem wird das spätestens als wir uns den Schlüssellängen nähern. Die Fuori Kante hat hier im wahrsten Sinne des Wortes eine Kante seitdem in den 60er Jahren der halbe Berg weggebrochen ist. Zurück geblieben ist ein 2 Meter breiter verdammt glatter Plattenrücken an dessen rechter Seite eine wie mit dem Lineal gezogene Kante die Grenze zum Abgrund vermittelt.
Valery bekommt eine plattige 6a+, die ich selbst im Nachstieg mit tauben Fingern recht schwer findet. Dann stehen wir vor der Schlüssellänge, einer grifflosen 6c Platte.
Dass die Erstbegeher und wohl auch die meisten heutigen Kletterer hier auf A0 umstellen, zeigt allein schon die Hakendichte. Alle anderthalb Meter kommt ein Haken - leider fast ausschliesslich 30 jährige Stichtbohrhaken, die zwar stabil genug sind sich daran hoch zu ziehen, aber einen Vorstiegssturz nur mit viel Glück halten. Valery winkt dankend ab. Im Gegensatz zu ihm habe ich gottseidank noch nicht so viel über diese Art Haken gelesen, und traue mir den Vorstieg eigentlich schon zu. Wenns nur nicht so verdammt kalt wäre. ich ziehe die Schuhe kurz aus und wärme mir die Zehen. Hilft leider auch nur ein bisschen. Also los gehts. Die Kletterei ist eigentlich extrem elegant. Rechts die Kante, links nur Reibungstritte. Immer knapp an der offenen Tür gewinne ich langsam an Höhe. Nach 5 Metern kommt ein sanierter Bohrhaken, der einzige der Seillänge aber immerhin. Nach 10 Metern kommt rechts der Kante der bisher einzige grössere Tritt auf dem man mit dem ganzen Fuss stehen kann. Ich stelle mich abwechselnd mit links und rechts drauf und versuche irgendwie wieder Gefühl in die tauben Finger und Zehen zu bekommen. Unter mir Bricht der Berg 100 Meter senkrecht ab.
Die folgenden Meter sind die Schlüsselstelle der gesamten Tour. Hier muss von der scharfen Kante rechts 3m horizontal nach links traversiert werden, reine Reibungskletterei so gut wie ohne Griffe. Das ganze etwa einen Meter über dem letzten Stichtbohrhaken. Wenn man hier fällt, reisst man unter Umständen den Stichtbohrhaken raus und die darunter dann im Anschluss gleich auch noch. Ein klassischer Reissverschluss. Und damit wär die Route dann erstmal nicht mehr absicherbar und für die meisten sogar  unbegehbar. Zum Glück ist es zu kalt, um über so etwas gross nachzudenken. Auf kleinsten Reibungstritten schiebe ich mich über die Platte. Ein Meter über mir kommt ein Absatz. Ein letzter Aufsteher auf gar nix, dann hab ich die Hand auf dem Band und mantle hoch. Fast geschafft. Selten hab ich mich so sehr über einen Fingerriss gefreut, wie über den nun kommenden. Endlich keine Platte mehr. Ein paar Fingerklemmer dann ein guter Handjam, und etwas leichter zum Stand. Jihaa. Onsight.
Die nächste Seillänge 6a+ bietet spektakuläre athletische Kletterei am Rissbogen unter einem Überhang und dann über diesen hinweg zurück auf die Kante. Sehr geil. Damit haben wir die Route eigentlich in der Tasche. Simul-kletternd überwinden wir die letzten 5 SL im Bereich 4-5b bis rauf ans Ende der Kante. 6h für die 24 Seillängen. Eigentlich sehr coole Kletterei, vor allem wegen der Position, auch wenn nur auf drei Länge wirklich fordernd. Und wegen der Kälte nur mit eingeschränktem Genussfaktor. Wir binden uns los und machen einen kurzen Abstecher auf den Gipfel, um das geniale Bergeller Panorama endlich zu genießen. Dann gehts an den Abstieg.
Wir halten uns genau ans Abstiegstopo und sind seilfrei im 2-3 er Gelände dann auch zügig in der Scharte am grossen Turm. Zum Problem wird allerdings die westseitige Traverse unter diesem, da es wohl kürzlich einen größeren Ausbruch gegeben hat. Sandig und mit riesigen losen Blöcken im exponierten Dreiergelände. Richtig heikel das ganze und eine Frage der Zeit bis hier etwas passiert, vor allem falls mehrere Leute am Berg sind. Irgendwann ist auch das überstanden und es geht plattig hinunter zum Pass vor dem Torre Innominata von wo wir 6 Mal über die Via Noemi abseilen. Noch ein Schneefeld und etwas mühsames Blockgelände bis zur Hütte und 800Hm später sind wir dann um halb sechs tatächlich am Auto zurück. 14h, 2000hm und 24 Seillängen… ein ausgefüllter Tag!

 


Fingerriss Ausstieg aus der 6c Schlüssellänge
atlethische 6a+
  

Der Mittelteil der Fuori Kante im Profil. Cengalo und Badile im Hintergrund