Seit Wochen geht es eigentlich mehr oder weniger darum, einen würdigen Abschluss dieser genialen Skisaison zu finden. Dieses mal sehen die Bedingungen schon mal gut aus. Immer wieder ein paar cm Neuschnee, dazu gutes Wetter für das Wochenende. Dani und Nic legen sich ziemlich schnell auf das Aletschhorn fest, was uns die tagelange Diskussion von Alternativen erspart.
Kurz vor der kleinen Scheidegg bricht die Jungfraujochbahn durch die Hochnebeldecke. Eiger Westflanke, Mönch Nollenroute und Silberhorn Nordwand glitzern so weiss, dass wir fast doch nochmal umüberlegen. Spätestens aber, als wir nach einstündigem Aufstieg vom Joch am Louwitor ankommen, wissen wir, dass der Plan aufgehen sollte. Die gesamte riesige Eismauer zwischen Dreieckhorn, Aletschhorn und Sattelhorn präsentiert sich blütenweiss. Nur hier und da zeigen sich kleine umgehbare Blankeisstellen. Fast schon machen wir uns sorgen dass der Aufstieg über die Haslerrippe eventuell zu tiefen Schnee haben könnte - Luxusprobleme. Ein Buttersulzabfahrt bringt uns hinunter auf den Aletschfirn, und während der einstündigen Wanderung Richtung Hollandiahütte haben wir genügend Zeit die Aletschhorn Nordwand zu studieren - das anvisierte Saison Highlight. Besondere Aufmerksamkeit und dementsprechend viele Fotos bekommt die Ausfahrt vom Hängegletscher in die Exitcouloirs. Wenn man die verpasst, stünde man in einer Sackgasse über riesigen Seracabbrüchen.
Ich bin nicht ganz zufrieden, weil ich keine Lust habe die nächsten 6h auf der Hütte rumzusitzen, wenn Wetter und Bedingungen so genial sind. Gegenüber leuchtet die 600m Nordwand des Sattelhorns, eine wunderschöne Linie. Langsam formt sich ein Plan. Nic und Dani wollen sich für den nächsten Tag schonen, so dass ich um 14.30 schliesslich allein in die Wand einsteige, während die anderen von der Hütte gegenüber zuschauen. Wider Erwarten ist der Schnee nicht pulvrig locker sondern recht harter Trittschnee. Nur 10cm sinke ich ein. Immerhin perfekt für den Aufstieg. Auf 3400 komme ich plötzlich auf hartes Blankeis durch. Zu heikel. Leicht absteigend traversiere ich 30m nach rechts, dann gehts weiter nach oben. Der Schnee wird immer pulvriger und ich freue mich auf die Abfahrt. Nach 2.5h stehe ich auf dem Grat zwischen Sattelhorn und Klein Aletschhorn und bereite mich für die Abfahrt vor. Die oberen 200Hm sind der Wahnsinn. 45-50° in 20cm Pulver. Wow. Der Rest ist leider härter und entsprechend schwieriger aber doch zügig zu fahren. Anyway, ein lohnender Nachmittagsausflug. Nach 100Hm Gegenanstieg bin ich dann auch endlich bei der Hütte. Ich schlage den anderen vor, am nächsten Tag die Traverse Sattelhorn Aletschhorn zu machen. So könnten wir meiner Spur durch die Wand folgen, anstatt die Haslerrippe neu einzuspuren. Ausserdem ergibt das natürlich eine sehr elegante Überschreitung. Nach längerer Diskussion sind die anderen überzeugt.
Sonntag morgen um 4.30 starten wir mit aufgebundenen Ski also wieder in die Satellhorn Nordwand. Meine Spur ist natürlich halb zugeschüttet, trotzdem geht der Aufstieg schnell und nach 2h stehen wir - diesmal zu dritt - auf dem Grat. Die Sonne geht auf, wegen Schleierwolken und Morgenrot ergibt sich aber eine etwas düstere Atmosphäre. Ein älterer Einzelgänger war 1h vor uns von der Hütte gestartet, um auf der gleichen Route das Aletschhorn zu besteigen. Ohne Ski und mit leichtem Rucksack ist er unglaublich schnell unterwegs, und nur als kleiner Punkt am Ende des Grats zu erkennen. Ganz so schnell sind wir mit Ski auf dem Rucksack nicht, kommen aber in seiner Spur doch gut voran. Ein exponierter Ab- und Wiederaufstieg auf dem schmalen Grat führen uns auf das Gipfelplateau des Klein Aletschhorn. Für kurze Zeit wird der Grat breiter und wir können etwas durchschnaufen. Dann beginnt allerdings die Traverse in den obersten Teil der Aletschhorn Nordwand. Direkt am Grat gibts zu viel Blankeis, aber unser Vorspurer hält auf ein eingeschneites Felscouloir in der Wandmitte zu. Und siehe da, in perfektem Trittschnee geht es durch das steile Couli. Nun folgen 50Hm mit Blankeisstellen. Dani fühlt sich unwohl, da seine Steigeisen sich etwas verwinden. Schliesslich packen wir Seil und Schrauben aus, und überwinden auch diese Stelle. In der Mitte des Blankeises kommt uns der Einzelgänger abkletternd schon wieder entgegen. Krasser Dude. Nach insgesamt 6h Skitragens sind wir dann aber doch tatsächlich am Gipfelplateau und Skidepot. 15min über den kurzen aber exponierten Grat nach oben und wir stehen gefühlt on top of the world. In alle Richtungen kommt lang nichts höheres. Stoked, schon vor der Abfahrt.
Um 11.45 klicken wir auf 4150m in die Bindungen. Was folgt ist eine der spektakulärsten Abfahrten, die ich je gemacht habe. Bis 3900m folgen wir dem breiten aber steilem Ostgrat in bis zu 30cm Pulver. Der erste Bergschrund muss gedropped werden - mit einer butterweichen Landung. Noch ein paar Turns mit grossen Radien bis wir schliesslich nach links in die direkte Nordwand einbiegen. Vor uns liegen weitere steile 1000Hm und der Schnee sieht genial aus. Die wirklichen Dimensionen dieser Wand werden einem erst bewusst, wenn man ganz unten auf dem Aletschfirn andere Tourengänger als winzig kleine Punkte erkennt. Wir heizen den Hängegletscher nach unten. 3 Mal kurz unterbrochen von Querspalten oder Engstellen, die sich aber dank der Schneelage allesamt ohne Probleme überwinden lassen. Langsam wird der Schnee härter und man muss sich mehr konzentrieren. Obwohl es selten >45° also nicht ultra steil ist, ist man sich der Exposition über den Serakabbrüchen doch bewusst. Auf 3400 kommt dann die Traverse nach links. 3 Möglichkeiten hat unsere Fernrecherche vom Vortag ergeben. Ich versuche die obere, die einen heiklen seitlichen 1m Drop in steiles Gelände enthält. Geht ganz gut, stellt sich aber als unnötig heraus, da die zweite Option 30Hm weiter unten ohne Stufe fahrbar ist. Die anderen kommen durch diese zu mir ins Exitcouloir. Wir befinden uns nun neben dem Hängegletscher, dessen seitliche Eismauer sich wie ein hochhausgrosses Eismonster über uns aufbaut. Faszinierend aber doch recht gefährlich. Weg von hier. Die 300Hm des Exitcouloirs sind hart und verlangen noch einmal voll Konzentration. Schliesslich spukt die Wand aber einen nach dem anderen auf den weiten Boden des Aletschfirns aus. Mit erhobenen Armen nehmen wir noch Schwung mit, bis wir schliesslich zum Stehen kommen. Die Anspannung fällt ab und wir drehen uns zu der Riesenwand um, in der nun ganz klein unsere Spuren zu sehen sind. Oh ja. Sogar Nic ist stoked.
Was bleibt sind eine ausgedehnte Pause mit Minestrone, 20min Gegenaufstieg zur Lötschenlücke, 10min Sulzcruisen zum Ende des Langgletschers und eine nichtendenwollende Wanderung auf dem Sommerweg bis zur Fafleralp, wo dann definitiv Sommer ist.
Samstag, 7. Juni 2014
Sonntag, 18. Mai 2014
Samstag, 10. Mai 2014
Sonntag, 4. Mai 2014
Sonntag, 27. April 2014
Canale Richi - Gewalttour durch die Fletschhorn Ostwand
Donnerstags morgens entdecke ich den Eintrag von lorenzo auf gipfelbuch.ch - 800m Couloir durch die Fletschhorn Ostwand. Start in Simplon Dorf auf 1500 also eine ziemliche Gewalttour von 2400Hm, aber an einem Tag machbar. Die Prognose zeigt ein Schönwetterfenster für Samstag morgen... könnte gehen. Javi ist schnell für das Projekt gewonnen und wir treffen uns Freitag abend in Visp. Um 10.30 sind wir in Simplon Dorf, und schlafen die verbleibenden 3h ziemlich gediegen im neuen VW California.
2.45 gehts los. Der Schnee fängt direkt am Auto an, und es geht im Stockdunkeln nach oben Richtung Bodmergletscher. Ab und zu ist eine alte Spur zu erkennen, trotzdem verpassen wir auf ca 2000 die Traverse und queren ohne Harscheisen etwas heikel die steilen Hänge wieder nach unten. Einmal im Richtigen Bachtal angekommen, gehts dann aber zügig weitere 1000Hm bis zum Anfang der Wand. Mitterweile ist es hell und die Wand sieht eindrucksvoll aus, wobei das Couloir recht straight-forward aussieht.
Die ersten 100Hm des Couloirs gehen wir noch mit Ski bis kurz über den Bergschrund. Schon jetzt knallt die Sonne voll auf die Wand. Essen, trinken, Ski aufbinden, und um Punkt 7 fange ich mit dem Spuren an. 800Hm to go.
Die Abfahrtsspuren von Lorenzo ist zu sehen, nicht aber die erhoffte Aufstiegsspur. Wahrschienlich zu viel Sluff drüber. Selber spuren ist also angesagt. Anfangs trägt der Schnee ganz gut und wir kommen immerhin mit 300Hm pro Stunde voran. Der Schnee wird immer pulvriger. Bi szu 40cm sinken wir ein. Was zwar richitg Abfahrtsspass verspricht, heisst für den Aufstieg aber richtige Mühe. Und das mit 2000Hm in den Beinen. Drei kurze, leicht vereiste Steilstufen stellen sich in den Weg. Im Aufstieg OK, in der Abfahrt aber sicherlich spannend. Auf 3550 queren wir vom rechten Couloir in die Wandmitte. Mittlerweile hat mich Javi eingeholt wir spuren die letzten 200Hm unglaublich mühsam bis zum Breitloibgrat.
Noch bleiben 150Hm mit Ski auf dem breiten Rücken bis zum Ostgipfel. Was wie 20min aussieht, sind für uns in unserem Zustand über eine Stunde. Nach genau 9h sind wir oben. Den Hauptgipfel schenken wir uns rasten auf 3927 im T-shirt. Leider nimmt die Quellbewölkung von Süden immer mehr zu und wir machen uns abfahrtsbereit.
Um 12.10 gehts los. Big Turns im lockeren Powder über den Gipfelhang hoch über der Nordwand. Dann die Einfahrt ins Couloir. Kurz >50° dann aber in schwerem Pulver grossteils um die 45°. Je nach Breite in grossen Turns oder Kurzschwung. Der Sluff rauscht nur so hinter uns her. Die 3 Steilstellen lassen sich abrutschend, springend mit Ski überwinden. Die meiste Zeit stecken wir in der Quellbewölkung. Schade aber bezüglich Wegfindung kein Problem. Nach 1h sind wir unten auf dem Bodmergletscher. Fett, fett, fett.
Die weiteren 1500Hm bis zum Auto vernichten wir in 20min. Der Schnee ist natürlich schwer. Aber das Gelände hat richtig Potenzial, zum Schluss noch lichter Lerchenwald. Unbedingt nochmal mit Powder. Dann aber mit Aufstieg von der Hohsaas-Seilbahn.
Aiguille de Chardonnet - Südwand Couloir
Seit Monaten ist
die Haute Route von Chamonix nach Zermatt für die Woche vor Ostern geplant. Salva,
Augusto und 4 weitere aus Barcelona kommen, Til und Lise aus Trondheim und
eigentlich auch Sofia und ich... wäre da nicht ihre Plantarsehnenentzündung,
die sie seit 2 Monaten lahm legt. Obwohl sie kaum normal geradeaus laufen kann vor
Schmerzen, will sie es trotzdem versuchen. Nun denn. Nach langer langer
Zugfahrt, stehen wir also in Argentière und ich trage Sofias Ski während sie
zur Seilbahn humpelt. Das Wetter ist nicht wirklich gut, aber ausreichend für
den kurzen Hüttenzustieg. Gemeinsam mit Til und Lise fahren wir von Grands
Montets zum Gletscher ab, und steigen die knappe Stunde zum Ref. Argentière.
Salva und die anderen sind schon da und und wir verbringen mal wieder einen
verdammt lustigen Hüttenabend mit viel Vino Tinto. Sofia gesteht sich nun ein,
dass sie wohl nicht weitergehen sollte. Um überhaupt etwas zu tun möchte ich
aber die anderen noch bis zum Col de Chardonnet begleiten, und Sofia dann
später an der Hütte abholen. Insgeheim liebäugel ich allerdings mit dem Südwand
Couloir auf die Aiguille de Chardonnet, falls die Bedingungen stimmen. Am
nächsten Morgen laufen wir also durch Graupelschauer in Richtung Col, als um
halb 9 die sonne rauskommt und sich das perfekt eingesschneite Couloir präsentiert.
Ich verabschiede mich von den anderen und spure mit aufgebundenen Skiern das
grossteils 45° Couloir nach oben. Auf der Hälfte traversiert man nach links in
ein zweites Couloir, welches dann bis zum Forbes Grat nach oben zieht. Nach 2h
bin ich am Ende des fahrbaren Teils angekommen. Was fehlt sind 15m durch eine
Mixed-Rinne zum Grat und dann noch 50m zum Gipfel. Allein, und ohnehin schon
spät dran, verzichte ich aber. Das Anziehen der Ski im 50° Gelände ist recht
kompliziert, dann kanns aber schliesslich los gehen. Mittlerweile ist der
Schnee angesulzt... perfekte Bedingungen und eine super Abfahrt durch das 400Hm
Couloir. Ganz unten kommen mir 4 Personen entgegen...reichlich spät. In nur 5min
cruise ich den Glacier de Chardonnet nach unten und mache mich an den mühsamen
Gegenanstieg zurück zu Hütte. Gemeinsam mit Sofia geht es dann durch zunehmend
schwereren Sulz bis nach Argentière, von wo aus wir die Autos der Katalanen nach
Visp kutschieren. Die anderen erwischen eine unvergleichliche
Schönwetterperiode, und schaffen die Haute Route mehr oder weniger problemlos
in 4 Tagen. Wir gehen zurück ins Büro und dann Rennradfahren ins Allgäu.
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