Dienstag, 12. April 2016

Dents du Midi - Fortresse Couloir

Nachdem Salome und ich am Samstag beim Aufstieg zur Blüemlisalphütte in dickstem Hochnebel zum Umkehren gezwungen wurden und dadurch einen epischen Sonntag verpassten, muss ich unter der Woche zwingend dafür kompensieren. Zum Glück ist die Skilehrer saison in Verbier nun vorbei, was bedeutet dass Javi Zeit für grosse Projekte hat. Mein GA, sein Haus im Valle de Bagnes und sein Auto eröffnen einen ganze neue Dimension an ambitionierten Touren. Und zwar so wie ich es liebe. Arbeiten bis 4, Anreise am Abend, Socializen mit seiner Family anstatt 100 SAClern auf ner engen Hütte, eine Nacht in einem anständigen Bett mit erholsamen Schlaf und dann eine 2000HM Vollspeedtour. Und ein Tag freinehmen wenn das Wetter passt, ist halt leichter als 2 Tage.
Dass man natürlich verdammt früh aufstehen muss, ist da ja akzeptabel. So fahren wir also in stockdunkler Nacht Richtung Champery, für eine Tourpremiere in der breiten Nordwand der Dents du Midi. Der Start will uns nicht so recht gelingen. Erst scheitert der Versuch mit dem Auto näher an den Schnee zu kommen wegen Lawinenresten auf der Strasse und einer vorsichtigen Rückwärtsfahrt auf der schmalen Waldstrasse. Dann vergeht uns die Motivation als wir schon 4 Autos von Skifahrern am Parkplatz sehen, wo es in Richtung Standardcouloir zur Breche de Doigt geht. Was machen die alle hier an einem Dienstag? Habt ihr keinen Job? Optionen? Die gestrige Zugfahrt hatte mir ja reichlich Gelegenheit zum intensiven Routenstudium auf Camptocamp gegeben, so dass ich nun über jedes der vielen Couloirs Bescheid weiß. Neues Ziel also das Couloir de la Fortresse, die bei Weitem eleganteste Linie der Wand und mit der Bewertung von 5.2 auch ein gutes Stück schwieriger. Doch auch dieses Couloir will hart verdient werden. 400Hm Portage durch den steilen Wald, und noch 600Hm auf Ski ebenfalls nicht ganz flaches Gelände bis in den großen Kessel am fuss der gigantischen Nordwand.
Irgendwann sind wir dann doch am Beginn des Einstiegscouloirs, welches aber reichlich uneben und von lawinen zerfurcht daher kommt. Kaum haben wir die Ski aufgebunden werden wir auch schon von einem Pärchen in Dynafit Rennmontur überholt, die in einem unglaublichem Tempo und mit minimalstem Gepäck anfangen, das Couloir zu spuren. Uns solls recht sein. Nach 300m im Einstiegscouloir kommt die Traverse ins Hauptcouloir welches durch den Felsriegel darunter ganz schön exponiert ist. In teils recht hartem Schnee folgen wir der Spur unserer Vorgänger. Zwei Engstellen stellen sich in den Weg, die aber mit etwas Felskontakt gut überwunden werden können. Je höher wir kommen desto besser und pulvriger wird der Schnee. Auch wenn deutliche Spuren von 2-3 Skifahreren zu sehen sind , welche das Couloir am Vortag an den engen Stellen teilweise ausgeräumt haben. Obwohl wir mit Stock und Pickelstock recht schnell unterwegs sind und die Spur der Vorgänger nutzen können, haben wir keine Chance die beiden einzuholen. Schliesslich kommen wir in die Breche und deponieren die Ski. 10min Mixed Gelände führen uns zum Gipfel der Cathedrale. Die Aussicht ist gigantisch. 2000m tiefer das Rhonetal und der Genfersee. Im Süden die Mont Blanc Berge und im Osten das ganze Wallis.
Wir klettern wieder ab, rasten kurz und bereiten uns für die Abfahrt vor. 1000m Couloir liegen vor uns. Die ersten 300 sind traumhafter Pulver. Nach der ersten Engstelle wirds aber zunehmend härter und die Esposition nimmt zu. Bei rund 50Grad muss man sich schon konzentrieren. Dann die Traverse ins etwas mühsame Schlusscouloir bevor wir in perfektem Sulz aus dem Kessel Richtung Tal cruisen. Die 45 minuten Tragestrecke geben immerhin reichlich Gelegenheit, die Projektliste für die Steepsaison zu besprechen.
1 Bier und eine Millencolin CD später schauen wir von Troistorrent hoch zur Nordwand und dem Couloir de la Fortresse. What a line.

Freitag, 18. März 2016

Fletschhorn Ostwand again

Als ich im April 2014 mit Javi zum ersten Mal in der Fletschhorn Ostwand unterwegs gewesen war, waren wir uns einig, die 'Richie Line' unbedingt nochmal zu fahren. Dann aber früher im Jahr und bei Pulver. Von Simplon Dorf aus lassen sich die 2500 Hm Aufstieg bei Pulver aber realistisch kaum bewältigen. Damit man also eine Chance hat, überhaupt auf den Gipfel zu kommen, muss man von der anderen Seite ran. Zufälligerweise gibts da auch noch eine Gondel bis 3000, so dass ein Eintäger von Zürich drin liegen würde. Der Plan bestand also, und wartete nur noch auf den richtigen Tag.

Die seltene Südostlage hatte der gesamten Nordschweiz einen Winddeckel, der Simplonregion aber 30cm Neuschnee ohne Windeinfluss beschert. Trotz Stufe 3, rechne ich mir also gute Chancen auf sichere aber pulvrige Bedingungen in der Ostwand aus. Mit Valery und Thomas geht es also eines schönen Märzfreitags über Visp, nach Saas Grund und für lumpige 37CHF mit der Gondel nach Hohsaas. Viertel vor 10 laufen wir auf 2800 Richtung Fletschhorn los.

Im Saastal liegt bis 3000m verdammt wenig Schnee, dafür glänzen die Viertausender der Mischabel so weiss wie sonst erst im Mai. Selbst die Nordwände von Lenzspitze und Hohbärghorn sehen fast schon fahrbar aus. Uns ist's recht. Zügig gehts über hart verblasenen Schnee aufwärts. Wir nehmen nicht die Normalroute über den spaltenreichen Grüebugletscher sondern entscheiden uns für einen 300Hm Bootpack an der linken Seite des Gletscherbruchs des Feltschhorngletscher um auf dessen flaches Plateau zu gelangen. So würden wir uns die Traverse des Hauptgipfels sparen und direkt zur Einfahrt am Ostgipfel gelangen. Ausser ein paar Metern mühsamen Bruchharsch geht der Plan voll auf und bietet eine spektakuläre aber effiziente Route.


Am Fletschjoch öffnet sich zum ersten Mal der Blick nach Italien und auf den Lago Maggiore. Immer wieder beeindruckend. Es ist warm und fast windstil. Um 1 sind wir am Skidepot, und nehmen noch schnell Hauptgipfel mit... erster Eintrag im Gipfelbuch 2016.


Wir klicken in die Bindungen und traversieren zum Ostgipfel, wo wir zum ersten Mal einen Blick in die Ostwand erhaschen. Das erste Stück auf dem Hängegletscher des Breitloibgrates ist recht hart und in alle Richtungen verdammt exponiert. Wir entscheiden uns für Abklettern. Nach 50m geht der Hartschnee plötzlich in 30cm lockeren Pulver... oha ... ist das ein gutes Zeichen?



Der Einstieg zum Couloir ist genauso steil wie vor 2 Jahren. 800Hm bricht die Wand ab hinunter zum Bodmergletscher. 2400Hm tiefer sieht man die Simplonstrasse. Da ich eh schon die Steigeisen an hab, kletter ich noch 5m hinunter, um den Schnee dort prüfen zu können. 30cm ungebundener Pulver, darunter eine harte stabile Schicht. Wir beraten uns, und geben ein Go. Ski anziehen bei 50° und Pulver ist wie immer ein Riesenschei..  und braucht viel Sorgfalt. Schliesslich bin ich aber ready to go. Der Schnee ist so gut wie er aussieht. Immer wieder aber auch mal ein Steinkontakt. Obwohl ich die breiten Annex 108 anhabe, traue ich mich nicht richtig Gas zu geben.


Ich erinnere mich, dass man nach 300Hm nach links in eine anderes Couloir wechseln muss. Während sich die anderen also immer noch mit Skianziehen abmühen, checke ich schon mal die Traverse aus, welche leider recht schneefrei aussieht. Wo wir 2014 noch easy rüber gefahren sind, gibts es nun gefrorenen kleinkörnigen Schotter, bei 45° Neigung. Ich versuche es zu Fuss aber ohne Steigeisen und eier gewaltig rum. Recht heikel das ganze. Die letzten 2m wollen überhaupt nicht gehen und ich mache schliesslich einen Drytool-Ausstieg über einen grossen Block nach oben. Die anderen versuchen es mit Steigeisen, Valery genau wie ich, Thomas wesentlich leichter etwas tiefer. Irgendwann sind wir alle drüben und es kann weiter gehen.


Im Rekordsüdwinter 2014 hatte es 2 Engstellen gegeben, die uns im Aufstieg Sorgen gemacht, sich in der Abfahrt aber als fahrbar herausgestellt hatten. Heute sieht es anders heraus. Pulver auf Schotter. Also wieder abschnallen, kurz abklettern, wieder anschnallen. Bei der zweiten Engstelle gibt es Blankeis, und wir seilen 20m ab. Direkt drunter nochmal 3m Blankeis, aber weit und breit kein vernünftiger Abseilfixpunkt. Ich habe die breitesten Ski dabei und traue mir eigentlich die Straightline zu. Kurz konzentrieren, Ski gerade stellen und los. Im 45 Grad Gelände bei eis oder Hartschnee beschleunigt man so schnell wie im freien Fall. Ich habe also schon verdammt viel Speed drauf, als ich nach 10m endlich die Kurve ansetzten kann, und muss schon stark drücken um langsamer zu werden. Die anderen schauen weniger motiviert drein und klettern mit Steigeisen und Pickel ab.



Ein paar grosse Turns und es kommt die kurze Traverse ins Exitcouloir. Mittlerweile ist der Pulver 40-50cm tief. Aus Rücksicht auf die neuen Ski schnalle ich nochmal für 10m ab, bevor sich endlich das Couloirs verbreitert. Noch bleiben uns mehr als 300Hm bis zum Fuss dieser Riesenwand. Der Schnee könnte nicht besser sein, und endlich kann man es auch mal laufen lassen. Der Stoke stellt sich ein als wir schliesslich auf dem flachen Bodmergletscher ankommen. Fett.

Mitterweile ist es halb 5. Das wiederholte an- und abschnallen hat viel Zeit gekostet. Ich weiss aber auch, dass wir bei gutem Schnee die weiteren 1500Hm in 15min fahren können. Un der Schnee ist gut. 30cm Pulver. Kein Windeinfluss. Erst die cruisigen Gletscher- und Moränenhängen, das kurze Steilstück unter dem Bodmerhorn, und dann perfkter lichter Lärchenwald bis hinunter nach Simplondorf. Ultrageil.

Bier und Rösti tröstet uns darüber hinweg, dass wir 1h aufs Postauto warten müssen. Mehrere Bewohner von Simplon-Dorf fragen uns wo wir herkommen würden und schauen ungläubig, als wir Fletschhorn-Ostwand antworten. Warum ich denn so breite Ski habe? Ob das eine Spezialkonstruktion sei? So was bin ich in Engelberg noch nie gefragt worden...

Samstag, 12. März 2016

Gastere-Couloirs hoch 2


Ostern 2013 war ich mit Falko zu ersten Mal ein Couloir vom Hockenhorn ins Gasteretal gefahren. Damals mit 40cm Powder und weit und breit keiner anderen Spur. Das mühsame Schieben durchs viel zu flache Gasteretal hinaus nach Kandersteg gibt reichlich Gelegenheit, die riesige Wand zwischen Hockenhorn und Birghorn nach weiteren Linien abzusuchen. Mindestens 2 dieser 1200Hm Linien sollten fahrbar sein. Dani's Blog gibt schliesslich den Hinweis, wo die Einfahrt zu finden ist.

Nach unserem mittwöchlichem AK-Tag im Canale-del-Emperador hat der Wind vielerorts ganze Arbeit geleistet, und den schönen Pulver gepresst. Wir hoffen trotzdem auf guten Schnee und gondeln von Zürich ins Lötschental und mit der Bahn aufs Hockenhorn. Während der gesamte versammelte SAC Richtung Petersgrat unterwegs zu sein scheint, halten wir uns direkt auf dem Hockenhorn-Ostgrat, um ja keine Höhe zu verlieren. Aufsteigen auf einer Skitour...so weit kommts noch. Eine kurze Felsstufe stellt sich in den Weg, an der aber netterweise ein Fixseil befestigt ist. Dann tut sich auch schon zum ersten Mal der Blick in unser Couloir auf, und nur 30min nach dem Aufbruch stehen wir am Drop-in am P2996.


Die Steilheit ist mit rund 45° auf den ersten 400Hm moderat und die Linie spektakulär. Immer wieder münden von links weitere enge Couloirs, für die aber alle Abseilerei nötig wäre. Leider ist der Schnee etwas inkonsistent. Tragfähiger Deckel wechselt mit Passagen von 30cm Pulver ab. Richtig krassen lassen kann mans also nicht, aber Spass machts trotzdem. In der Wandmitte weitet sich das Couli in einen offenen Hang von knapp 100m. Besonders die 











Mittwoch, 9. März 2016

Canale del Emperador


Übers Wochenende schneit es in der gesamten Schweiz zwischen 40 und 70cm; fast komplett ohne Windeinfluss, da das Tief mehr oder weniger über den Alpen zu liegen kommt. Dazu sonnig und trotz Anfang März richtig kalt. Perfekteste Powderbedingungen also. Während also gefühlt alle den besten Tag der Saison erleben, gehe ich sonntags aus unerfindlichen Gründen mit Sofia nach Elm, wo der Schnee nicht nur schnell verspurt sonder wegen der Südorientierung auch noch ab 11 Uhr schon unfahrbar schwer wird. Dumm Dumm Dumm. Schon am Sonntagnachmittag setzt also das unvermeidliche Stressgefühl ein, etwas verpasst zu haben, und lässt auch am Montag noch nicht nach. Das einzige was hilft ist möglichst schnell ein grosses Projekt bei perfektem Schnee.

 

Ziel: der dolomitenmässige Canale del Emperador auf der Nordseite des Chaiserstuels.

Als es Dienstag noch mal 20cm oben drauf haut und die Lawinengefahr folglich auf erheblich springt, sehe ich meinen Plan schon wieder gefährdet. Den ganzen Tag beobachten wir die Windmessstationen. Nichts regt sich. Ungebundener Powder ohne Windeinfluss ist beherrschbar, solange man auf Sluff Acht gibt. Wir entscheiden uns einen Versuch zu wagen.

 

Gemeinsam mit Valery und Thomas laufen wir bei -10Grad mittwochs morgens an der Bannalp los. Vor uns spurt eine 2er Gruppe den ersten Hang, so dass wir zügig zur Querung unter dem Chaiserstuel kommen. Wir wollen den Sattel an der Einfahrt zum Canale über das Westcouloir erreichen. Der Hang dort hin steilt nun merklich auf und wir diskutieren die Lawinengefahr. Der Schnee ist auf über 40cm locker und ohne kompakte Schichten, so dass wir alle ein Go geben und anfangen zu spuren. Mal in engen Kehren über einen steilen Rücken, dann wieder im Zick Zack durch das Couloir. Die Steilheit schwankt zwischen 30 und 40 Grad. Zweimal schnalle ich die Ski kurz auf den Rucksack als es zu eng für Kehren wird, im Grossen und Ganzen geht der Aufstieg aber gut mit Ski. Je höher wir kommen desto spektakulärer wird das Ambiente. Links und rechts tief verschneite Felsen und Spines dazu der Blick in Richtung Luzern. Nach insgesamt 2h15 sind wir am Sattel. Eine riesige Wächte zeichnet sich ab, die sich aber am linken Rand umgehen lässt. Wir bereiten uns für die Abfahrt vor.

 

Wir befestigen das Seil um einen Block und ich quere gesichert in den Einstiegshang. Ich mache ein paar übertriebene Jumpturns mit dem Seil als Backup, um die Festigkeit des Schnees zu testen. Ausser ein bisschen Sluff rutscht auch beim Herumspringen nichts. Daumen hoch. Ich mache das Seil los und fahre los. 45°, 50cm Powder. Besser geht kaum. Das Couloir ist Grossteils ca. 10m breit. Gerade genug für grosse Turns und 3 Spuren. Nach 150m traversiere ich nach rechts auf einen Rücken und positioniere mich zum Fotoshooting. Thomas kommt und fährt das nächste Stück bis er hinter einem Felsen warten kann. Dann Valery mitsamt GoPro. Nach etwa 2/3 kommt die Engstelle. Auf ca. 30m ist das Couloir nur etwa 3m breit. Wir machen ein paar vorsichtige Turns und stellen dann die Ski gerade. Die Steilheit ist nun moderater so dass man 20m Straightline ausreichend kontrollieren kann. Für weitere 100m öffnet sich das Couloir wieder etwas für ein paar letzte grosse Turns, dann spuckt uns die Schlucht einer nach dem anderen auf die grossen Hänge darunter aus. Sehr, sehr geil. Wie immer bei so perfekten Verhältnissen ist es viel zu schnell vorbei. Mit den grossen Ski fährt man 400Hm halt in nur ein paar Minuten. Egal.

 

In grossen Turns geht’s es den schönen Hang weiter bis ins Tal, und zügig Richtung Oberrickenbach. Im Schatten immer wieder Traumschnee in den Südhängen allerdings mit wenig Unterlage. Um 11.45 sind wir zurück an der Seilbahn. Thomas und ich wollen eigentlich ins Büro – ist ja schliesslich Mittwoch. Aber der Bus fährt erst in einer Stunde. Reicht das noch für einen Run? Nicht ganz für das Couloir aber mit der Seilbahn hoch, noch 200Hm zu Fuss liegt allemal drin. Um 12.30 fahren wir also bei etwa 2100 in den grossen Nordhang ein. Erst offenes Gelände, dann am Waldrand mit sagenhaften Pillows. Wären die letzten 300Hm nicht mit so wenig Schnee, müsste man das eigentlich den ganzen Tag wiederholen. Valery will nochmal hoch aber der hat ja auch keinen Job zurzeit. Thomas und ich lassen es gut sein, nehmen den Bus und sind um halb 3 im Büro. A perfect day.


Montag, 12. Oktober 2015

Zervreilahorn – Braveheart 6c


Schon seit Erscheinen des Extrem Ost Führers schiele ich auf diese fünf Sterne Route. Aber irgendwie klappt es nie. Valery meint, dass es für einen Tag viel zu weit sei, aber zwei Tage am Stück muss man erst mal haben. Da ich die diesjährige Klettersaison aber unbedingt mit einem schönen Projekt abschliessen will, dränge ich weiter auf die Route. Mittlerweile ist es Mitte Oktober und die Nächte sind so kalt, dass Valery auch keine Lust mehr auf biwakieren hat, und schliesslich einem Eintäger zustimmt. Um halb 5 geht’s also in Zürich los, durch schwärzeste Nacht 2h15 bis zum Parkplatz am Zervreila Stausee. Um halb 9 sind wir am Einstieg. 4h Tür bis Einstieg sind schon verdammt viel, aber eigentlich auch nur eine Stunde mehr als an die Graue Wand, ins Rätikon oder in die Wendenstöcke. Eigentlich könnte es nun losgehen aber eine Wolke verdeckt die noch tiefstehende Sonne. Die Temperatur ist um die 0 Grad, der Fels eiskalt. Keine Chance auf schwierige Kletterei. Wir essen, warten und machen Aufwärmübungen. Langsam kommt die Sonne durch und Valery steigt um 9 Uhr 15 in Länge 1 ein.

 

1.SL – 6b. Nach einem etwas komischen Einstieg kommt eine lange Piazschuppe. Recht grosse Griffe und immer wieder ein guter Trittmachen das ganze aber doch recht leicht.

 

2.Sl – 6c. die plattige Linksquerung geht gut, ebenso die beiden folgenden Aufschwünge. War das schon die 6c Stelle? Nein, die scheint jetzt zu kommen. Ein guter Rastpunkt zum klippen. Die nächsten 3m habens aber in sich. Ein kleiner Riss zieht durch die kompakte Platte nach oben, der nach links drei schlechte, runde Fingerkuppen-Seitgriffe bietet. Sonst nix. Die Füsse müssens also richten. Und genau hier beginnt mein Problem. In Erwartung von Risskletterei jeder Breite habe ich meine super gräumigen Sportiva TC Pro Schuhe mit ihrer dicken unsensitiven Sohle an. Kombiniert mit eisigen Zehen fühle ich so gut wie gar nichts und habe ständig das Gefühl abzurutschen. Schlechte Perspektive für einen Reibungsaufsteher fast ohne Griffe. Immer wieder setze ich an, und kletter wieder ab. Für einen kontrollierten Zug müsste ich die Füsse wesentlich höher bekommen, aber es hält einfach alles nicht. Schliesslich versuche ich es mit einem Dynamo an den Henkel oberhalb des Risses. Ich komme zwar hin, aber der Henkel ist leider gar keiner sondern ein Sloper und schon rutschen mir die Füsse weg, Abflug. Valery beschwert sich mittlerweile über seinen unbequemen Hängestand und ich greife schliesslich in die Schlinge. So ein Scheiss. Im Nachstieg steigt Valery die Stelle mit seinem extra kleinen Miuras recht easy durch und sagt man müsse einfach gut auf Reibung antreten. Tja. Hatte ich mir auch gedacht.

 

3.SL – 6b A0/7a+. Wieder eine plattige Länge, diesmal ist aber der Plattenliebhaber dran. Bis zum letzte Bolt ist es schon mal nicht ganz trivial. Valery bedient sich um Vorstieg der Pendeloption zur Kante. Ich versuche es im Nachstieg direkt. Mit viermal Hängen, Schauen und Tritte markieren geht’s irgendwie.

 

4.SL – 6c. Erst einmal ein mühsamer weil etwas heikler Aufsteher auf die schmale schiefe Rampe. Nicht wirklich schwer aber wenn man hier fällt, geht’s zwei Meter direkt aufs Band. Ich zitter mich hoch. Der folgende Riss ist zwar geschlossen, eine kleine Schuppe rechts davon bietet aber genug Griffe zum Piazzen. In der  Mitte werden die Griffe kurz recht klein, dann ist aber schon vorbei.

 

5.SL – 6b. Eine eindrückliche steile Verschneidung stellt sich in den Weg. Versehen mit scharfen Splittercracks ist der erste Überhang aber kein Problem. Nun steht man unter einem kleinen Dach und muss irgendwie nach rechts ums Eck. Auch im Nachstieg recht schwer. Hat man aber erst mal den Fuss oben auf der Leiste, geht’s gut. Danach eine feingriffige Balance Querung nach rechts und etwas Wandkletterei an Löchern und Kristallen.

 

6.SL – 6c. Amerikanisch anmutende Kaminverschneidung. Valery freut sich nicht vorsteigen zu müssen und ich bereite ihn schon mal auf eine etwas längere Standphase vor. Die Seillänge bietet so ziemlich das gesamte Kletterspektrum. Mit einem scharfen Handriss geht es los. hinein in den Kamin. Dieser ist hier noch parallel und mittelbreit so dass man mit Knie-Rücken-Technik eigentlich ziemlich stabil steht. Ich hänge mir mein Zeugs von hinten an die linke Seite des Gurtes arbeite mich langsam höher. Eigentlich geht’s super aber ich weiss nicht recht wohin. Ich erinner mich irgendwo gelesen zu haben, dass man nach links raus müsse. Aber jetzt schon? Die Stelle biete sich an und Gehen würde es schon. Nur in den Kamin zurück käme ich sicher nicht mehr. Ich lege einen kleinen schlechten Cam in der linken Wand und schiebe mich rüber auf die Kante. Und tatsächlich ein wunderschöner Handriss durchzieht die Kante in dem es zügig 5m nach oben geht. Ein Vorsprung rechts vom Kamin lädt zum Spreizen ein und ich gelange zurück in den Kamin, der hier breit genug ist für Rücken rechts und ausgestreckte Beine links. Was fehlt ist eine Sicherungsmöglichkeit. So amerikanisch die Kletterei auch sein mag, wir sind immer noch in der Schweiz. Da muss was sein. Schliesslich entdecke ich den Bohrhaken an der rechten Wand über meinem Kopf (Puh), und zwei weitere 5m und 10m höher oben. Uiuiui. Das wird ein verdammter Runout. Der Kamin wird wieder enger und zudem flaring. Ich versuche es im Kamingrund wo man zumindest einen 3er Cam ab und zu unterbringen könnte. Dafür ist es nun wirklich eng. Rechter Fuss Hell-Toe-Jam linkes Bein Knie. Hält einigermassen aber höher schieben ist mühsam und ich rutsche immer wieder ein Stück ab. Und das jetzt 5m weiter? Panikanflug. Obligatorische Kamine gibt’s in der Schweiz doch gar nicht, es muss irgendwie anders gehen. Ich kletter wieder einen Meter ab und zurück nach aussen zum Bohrhaken. Mit viel Kraft ziehe ich mich um die Ecke auf einen Vorsprung an der echten Wand. Und wieder. Kleine Vorsprünge erlauben ein sicheres Vorankommen in Wandkletterei. Nach weiteren 5 Metern wechselt man nach links, kurz zurück in den Kamin, spreizen und wieder nach links raus. Dann ein kräftiges Finish an der Kante und Mantle zum Stand. What a pitch. Onsight. Dafür aber gefühlt eine Stunde gebraucht. Wenn man weiss wies geht und weniger suchen muss sicherlich auch wesentlich schneller machbar.

 

7.Sl – 6b. Easy Kletterei an der Kante und dann nach links zum Stand. Gerade aus gäbe es zwar einen Traumriss aber links öffnet sich nun der Blick auf den Zick-Zack-Riss.

 

8.Sl – 6c. Spektakuläres Schlussbouquet einer genialen Route. Wie ein grosser Blitz führt der scharfe Riss durch die glatte Wand aus rotem Granit. Wahrlich ein Unikum. Perfect Hands im ersten senkrechten Teil und auch in der Querung nach links. Dann geht’s wieder  nach oben und wird breiter. Da ich eh nicht mehr onsight unterwegs bin, gönne ich mir eine kurze unnötige Verschnaufpause. Mut zusammen nehmen hoch antreten und athletisch an die Kante. Noch ein weiterer Schlüsselmove wartet. An der Kante des Risses packen, irgendwie den Fuss hineinstopfen, links auf gar nix antreten und hoch wo der Riss wieder waagrecht wird. Fuss im Riss höher schieben und zum erlösenden Handjam. Ein paar Piazmoves und Jams weiter ist man am Stand. Sehr sehr geil.

 

Die letzte 5c schenken wir uns und seilen 4 Mal durch die Wand ab. 17 Uhr. Lang gebraucht, was aber vor allem auf die Längen 2 und 6 zu schieben ist. Zügig geht srunter zum See und etwas mühsam über den Gegenanstieg zurück zum Auto. 18.50 los, 21 Uhr in Zürich. Bis ich zu Hause bin wars ein 17h Tag. Viel Aufwand für 8 Seillängen Klettern. Aber was für welche. Nicht komplett onsight aber alles in allem doch OK. Gerne wieder. Schliesslich wartet noch die RP Begehung und es locken links und rechts weitere Traumlinien. Was für ein Berg, was für eine genialer Fels. Und das im Reich des Bündner Brösel-Schiefers.

 

 

 

 

Montag, 21. September 2015

Poncione di Ruino, Danielli-Pohl – 6c+




Wiedermal alles richtig gemacht mit Wetter und Gebietswahl. Sprühregen und Nebel bis zum Gotthardtunnel, strahlender Sonnenschein auf der anderen Seite im Bedrettotal. Zapfig kalt aber, schon am Parkplatz. Den riesigen Weg verlieren wir schon nach 5min, und dann nochmal dauerhaft auf der Querung Richtung Poncione. Nach anderthalb Stunden sind wir trotzdem am Fuss der eindrücklichen Wand. Zum Einklettern geht’s erstmal an die üppig gebohrte Route Self-Service:

 

Self Service – 6c

 

1.SL 6b – plattige Länge mit ein paar heiklen Moves, die uns beiden aber gut geht.

 

2.SL 6b+ - pumpige Piaz-Kletterei an runden Griffen abdrängenden Strukturen. Wie immer bei solchen Längen werden die Griffe vom Lang-Rumüberlegen auch nicht weniger rund, und man muss einfach gehen. Ich versuchs mit extra langrumüberlegen und muss mich schliesslich kurz ins Seil setzen.

 

3.SL 6c – super Länge. Gerade Hoch dann eine Untergriff Querung nach rechts und über ein par Aufschwünge nach oben. Dann etwa 10m einem steilen Fingerriss folgen, der aber immer wieder kleine Taschen und Fingerlock-Positionen bietet. Sehr geil.

 

4. SL 6c – ein Pfeiler will erklommen werden, der zu Anfangs einen kleinen Dynamo mit recht sin einen Seitgriff erfordert. Wenn man den trifft, dann geht’s eigentlich easy. Wenn nicht, dann leider nicht. Danach deuten die Bohrhaken an, dass man den Pfeiler plattig und grifflos weiterverfolgen sollte. Nur einen halben Meter daneben hats aber einen super Riss, den ich dann doch bevorzuge. Über diese zügig hoch (wesentlich einfacher als 6c) und in schöner Position zum Stand. 2mal abseilen zum Wandfuss.

 

Schöne Route aber sicherlich nicht die 4* aus dem Extrem Süd. Nur die 3. SL ist richtig fett. Sonst aber von den Zügen her zwar fordernd aber weniger schön. Zudem ist die Felsoberfläche teilweise leicht splittrig und es gibt ein paar Flechten. Kein Vergleich zu den Routen im rechten Wandteil. Cams überhaupt nicht nötig, auch wenn es genügend Risse gäbe.

 

Danielli-Pohl 6c+

 

1.SL 6c+ - eine richtige Knallerlänge. 15m über Bänder und Aufschwünge schräg nach links hoch wo sich 2 Fingerrisse verzweigen. Dann geht’s los, aber wie. Erst beide Riss benutzen dann rüber in den rechten und auf einer Quarzader antreten. Hier rutscht mir doch tatsächlich der Fuss weg, schade. Nun also den rechten Riss nach oben, meist in abdrängenden Piaz Moves, immer wieder aber auch mal ein Fingerklemmer bis oben dann ein paar erlösende Handjams kommen. Super geil. So viele Bohrhaken, dass man mit Trittschlinge auch komplett A0 klettern könnte.

 

2. SL 6a+ - eine absolute Traumlänge. 30m dem durchgehenden Riss folgen. Abwechselnd Handjams und kurze Piaz Moves, die sich aber immer super auflösen. Warum muss man eigentlich immer schwere Sachen klettern? 6a+ macht doch viel mehr Spass! 2-3 Cams sollte man legen, sonst gibt’s Bohrhaken. Wäre auch ohne Probleme komplett Clean möglich, aber wir sind halt in der bolted Gotthard-Region und nicht in Chamonix. Die folgende 5a Länge, lässt sich direkt anhängen. Genialer Hangel-Quergang an einer Schuppe nach links zum bequemen Stand.

 

3. Sl 6a+. Fordernder als es der Grad erwarten lässt, aber wieder traumhaft. Eine Verschneidung hoch, dann ums Eck und in die nächste Verschneidung, die immer steiler wird. Oben ein paar athletische Moves über den abschliessenden Überhang. Die Griffe sind allesamt gut und eckig, aber recht weit auseinander. Genial.

 

4. SL 6b+. Crux ist der Aufschwung direkt über dem Stand. Zuerst den grossen Riss rechts benutzen bis man auf dem Knubbel steht und den oberen Bohrkaken klippen kann. Dann eine Traverse an zwei kleinen Griffen, die einzig schwere Stelle der Länge. Danach geht’s weiter wie zuvor. Risse und Verschneidungen mit tollen Moves. Irgendwann hören aber plötzlich die Bohrhaken auf (war das Geld aus?) und man sieht vor lauter Verschneidungen die Route nicht mehr. Ich geh also mal nach rechts, da dort noch eine andere Route hochzieht und es ausserdem einen super Handriss gibt. Nach dem Stand lehnt sich die Wand zurück und wir schenken uns die blockige 5a Länge zum Gipfel. 3 Mal abseilen über die eindrucksvolle grossteils überhängende Wand mit der 7b Route Via Lattea…. hm, nächste Jahr.

 

Insgesamt geniale Kletterei. Eigentlich 5* dafür aber vielleicht zu kurz. Und noch so viele andere Traumrisse rechts und links, die meisten wahrscheinlich viel zu schwer. So ein steiles Stück Granit findet man in der ganzen Gotthard-Region sonst nicht. Der Abstieg geht in einer Stunde, da wirs diesmal doch tatsächlich schaffen den Weg nicht zu verlieren.

 

 

 

 

Mittwoch, 16. September 2015

Zuestoll - Chico Mendez 7a


Gefühlt über hundert Mal bin ich schon mit dem Zug oder Auto am Walensee entlang gefahren und habe zu den eindrücklichen Südwänden der Churfirsten hinauf geschaut – wohlwissend dass eigentlich nur der mittlere der sieben, der Zuestoll guten Fels zum Klettern bietet. Nun war es endlich soweit, dort einmal selbst Hand anzulegen. Das Ziel: der Neoklassiker Chico Mendez, 7a.

 

Gemeinsam mit Timm geht es mit 3 verschiedenen Zügen, einem Postauto, einmal Sessellift und etwa einer Stunde Zustieg auf die Palisniederi, den Sattel zwischen Zuestoll und Brisi. Hier öffnet sich der Blick auf den 1500m tiefer gelegenen Walensee und nach links in die verdammt eindrückliche Zuestoll Südwand. Die Traverse zum Einstiegs-Balkon ist ausgesetzt aber mit Seilen versichert. 4 Seilschaften sind schon in anderen Routen zu Gange, unsere ist frei. Während über den Glarner Alpen die Föhnwalze hängt, haben wir Sonne pur und leichten Wind. Nach einer 3er Länge über den leicht grasigen Vorbau geht’s nun aber ganz gewaltig los.

 

2.SL 6b: Recht konstant im 6b Bereich steige ich den Pfeiler in Richtung erstes Dach vor. Immer wieder muss von links nach rechts gewechselt werden, um die Seitgriffen bedien zu können. Gar nicht so leicht die richtige Sequenz zu sehen. Die Hakenanstände sind OK aber doch fordernd. Ausserdem muss ich mich erst mal wieder an die Kalkkletterei gewöhnen. Crux ist ein Aufsteher, bei dem ich mich doch erst mal überwinden muss.

 

3. SL 6c: Timm steigt wie immer souverän vor, meckert allerdings etwas darüber dass es auf den ersten 10m eigentlich nur Untergriffe hat. Im Nachstieg geht’s recht gut. Zuerst diagonal nach links hoch, immer wieder mit viel Körperspannun g an guten Untergriffen auf Reibung antreten und hochlaufen. Dann eine –oh wunder- Untergriff-Traverse nach rechts über dem Überhang, wo man einigermassen stehen und schütteln kann. Crux ist wiedermal ein plattiger Aufschwung bevor es leichter wird. Kurz vor dem Stand noch einmal ein boulderiger Move in einer kleinen Verschneidung.

 

4. SL 6a: Ein steiler Aufschwung wird an erstaunlich grossen Griffen überwunden. Geht alles, aber irgendwie strengt es mich doch recht an heute, und ich bin immer wieder einigermassen gepumpt. Der Flow will nicht so richtig aufkommen. Kurz vor dem Stand muss ich gar 3 mal wider abklettern und schütteln bevor ich mir den Move an zwei eher schlechten Seitgriffen zutraue. Hm.

 

5. SL 6a: Fulminanter, männlicher Start an einem Überhang mit immerhin recht guten Griffen. Nach nicht mal 20m ist die SL dann aber auch schon fertig, damit der Standplatz noch auf dem Grasband ist.

 

6. SL 6b: Das nun folgende Gemäuer sieht beindruckend steil und kompakt aus. Aber irgendwie schiebe ich mich Stück für Stück nach oben. Immer wieder eine kleine Leiste hier, eine runde Delle zum Stehen dort. Nach etwa 15m kommt die Crux. Ich zögere so lange bis mir schliesslich der rechte Fuss wegrutscht und ich 2m tiefer im Seil hänge verdammt, das war unnötig. Wieder hoch jetzt aber. Hochantreten, irgendwie aufstehen, und sich nach links auf ein paar guten Tritten etablieren. Jetzt ein Bohrhaken wär cool, der kommt aber leider erst 1m weiter oben. Kurzer Anflug von Panik, muss irgendwie gehen. Tatsächlich ist es aber nur noch ein Move bis zum Riesenhenkel neben dem Bolt. Entwarnung. Anhaltend geht es weiter. Eigentlich super Kletterei, aber irgendwie erholen sich meine Unterarme nicht mehr so richtig. Einmal muss ich zum Klippen doch so gar in die Schlinge greifen, weil meine linke Hand den grossen Griff einfach nicht mehr halten will. Timm fands dann natürlich nicht so schwer. Danke.

 

7. SL 7a. Erst eine steile Schuppe gefolgt von einer spektakulären Traverse nach rechts. Dann verschwindet Timm ums Eck und das Seil bewegt sich erst mal ziemlich lang gar nicht mehr. Irgendwann vernehme ich ein gedämpftes 'Aufpassen' , dann wieder lange nix. Nach für einer für Timm'sche Verhältnisse halben Ewigkeit, scheint er aber drüber zu sein und ist nach ein paar Metern am Stand. Warum er solange gebraucht hat, merke ich dann aber, als ich im Nachstieg selbst an der Stelle stehe. Rechts draussen noch ein schöner Seitgriff, zum Ausruhen, den man aber auch gar nicht mehr loslassen möchte, da auf den nächsten 2m wirklich gar nix gescheites kommt. 'Nimm den Sloper links' ruft er mir von oben zu. Welchen Sloper bitte? Mit den Füssen kann man einigermassen antreten, sich dabei aber auch wirklich an gar nichts halten. Mit ein bisschen Seilzug gegen's Nach-Hinten-Kippen geht’s es irgendwie. Im Vorstieg frei – keine Chance.

 

8. SL 6a. Ich bin wieder dran. Ein 20m cleane Rissverschneidung. Sieht steil aus, mit Spreizen, Handklemmern und ein paar Piazmoves geht’s aber easy und lässt sich auch super mit Cams absichern. Zum Zeitsparen hänge ich die letzte leicht brüchige SL gleich noch dran, in der man wirklich verdammt aufpassen muss, seinem Partner nix auf den Kopf zu schmeissen. Dann Stand am Gipfelkreuz, welches extrem wackelt, und eigentlich nur in einem Schutthaufen steckt. Viele Alternativen gibt’s aber nicht. Ich bitte also die zwei anderen Kletterer ihre Gipfelrast zu unterbrechen und sich von der anderen Seite ans Kreuz zu hängen. Ich halte Timm, das Gipfelkreuz mich, und die zwei das Kreuz. Sollte gehen. Die Sturzwahrscheinlichkeit in diesem Grad hält sich allerdings in Grenzen.

 

Um 16.10 ist Timm dann oben zum Handshake. Fast im Zeitplan. Leider fährt der letzte Sessellift um 17 Uhr und uns trennen noch 850Hm von der Station. Wir machen uns also zügigst an den Abstieg und gehen trotz Kniebeschwerden irgendwann zu Joggen über. Trotzdem sind wir am Schluss 7 Minuten zu spät, was uns der Liftmann schon von weitem durch Schwenken der arme bedeutet. Dass der Lift pünktlich schliesst und wir zu spät sind, gehört aber ebenso zu den Schweizer Alpen, wie die Ausnahme, die er uns nach viel Betteln  einräumt und uns doch noch ins Tal kutschiert.

 

Insgesamt eine super Klettertour. Hart bewertet. Im Vergleich zu anderen Gebieten könnte man auch überall ein + dazu geben. Super Fels, spektakuläre Exposition hoch über dem Walensee und der richtige Ort bei Südföhn. Ausserdem die nichtganz neue Erkenntnis, dass man wesentlich besser klettert wenn man jede Woche 3 Mal klettern geht (Timm) als wenn man sich abwechselnd in Firnwänden, Bikeparks oder auf Hochzeiten rumtreibt (ich).